Lautstark war es auf dem Römer, denn dort haben sich Feministinnen getroffen, die Einschränkungen für die Gegner von Abtreibungen fordern. Die Sprechchöre der Damen, die unüberhörbar über den Römerberg schallten, klangen ein wenig komisch. Gut 70 Frauen und einige wenige Männer riefen Parolen wie: „Peter, Peter, 150 Meter“ und „Spießrutenlauf, hör damit auf!“ Nicht nur die Touristen waren verwirrt, auch die Passanten, die auf dem Römer unterwegs waren, wussten nicht so recht, worum es bei dieser Demo überhaupt ging.
Frankfurt für Frauenrechte
Die Damen, die auf dem Römerberg demonstrierten, sind Aktivistinnen eines Bündnisses, das sich „Frankfurt für Frauenrechte“ nennt. 150 Meter liegen zwischen dem Büro von Pro Familia und den Mahnwachen der meist fundamentalistisch-christlichen Gruppen, die die Frauen mit drastischen Mitteln von einer Abtreibung abhalten wollen. Immer wieder hat es in der Vergangenheit Schwierigkeiten gegeben. Die Abtreibungsgegner haben versucht, die Frauen auf den 150 Metern bis zu Pro Familia mit zum Teil geschmacklosen Bildern von blutigen Föten unter Druck zu setzen und massiv einzuschüchtern. Damit die Frauen die Beratungsstelle in Anspruch nehmen können, um straffrei abzutreiben, muss die Schutzzone auch für das Büro von Pro Familia gelten.
Die Politik soll sich positionieren
Schon vor drei Monaten hat die Versammlung der Stadtverordneten dem Frankfurter Magistrat den Beschluss aufgetragen, eine juristische Prüfung zu veranlassen. Es geht dabei um die Verlegung der Mahnwachen gegen Abtreibungen. Geschehen ist bislang aber nichts, da sich der Magistrat aus SPD, CDU und Grünen nicht auf einen gemeinsamen Konsens einigen kann. Den Aktivistinnen auf dem Römer dauert das eindeutig zu lange. Daher schreien sie „Magistrat, schreit‘ Tat“. Den Grünen ist das Anliegen der Frauen wichtig, sie wollen das Thema so schnell wie eben möglich auf die Tagesverordnung der Stadtverordnetenversammlung setzen.
Geteilte Meinungen
Die Frankfurter sind geteilter Meinung, wenn es um die Mahnwachen und die Demonstrantinnen auf dem Römerberg geht. Die einen sind der Meinung, dass es Mahnwachen gehen soll. Diese sollen jedoch in einer Schutzzone sein und sich in großem Abstand zu den Frauen befinden, die zu Pro Familia wollen. Die anderen unterstützen die christlichen Fundamentalisten und verweisen darauf, dass in einer Demokratie jeder das Recht hat, seine Meinung frei zu äußern. Eine dritte Gruppe spricht davon, dass es allein Sache der Frauen ist, ob sie abtreiben oder nicht. Sie wollen weder Mahnwachen noch feministische Aktivistinnen auf dem Römerberg sehen. Eine kleine Gruppe meint, dass die ganze Aktion von der Mahnwache bis zur Demo frauenfeindlich ist und den betroffenen Frauen das Recht auf Selbstbestimmung nimmt.
Eine Demokratie lebt immer von der Vielfalt der Meinungen und Ansichten. Wenn aber sich einige wenige dazu berufen fühlen, das Recht auf Meinungsäußerung durch Einschüchterungen zu missbrauchen, dann liegt es an der Politik, zu handeln. Es gibt offensichtlich Handlungsbedarf zu diesem Thema. Ob Schutzzonen die gewünschte Wirkung haben, ist unklar, denn wer soll kontrollieren, ob die Schutzzonen auch eingehalten werden? Eigentlich ist es die Polizei, die auch die Aufgabe hat, Demonstrationen zu schützen. Noch einfacher wäre es allerdings, den betroffenen Frauen die Wahl zu lassen und sie nicht zu stigmatisieren, einschüchtern oder zu bedrängen.
Beitragsbild: @ depositphotos.com / Hackman
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