Apfelwein – das Frankfurter Nationalgetränk

Apfelwein - das Frankfurter Nationalgetränk

Wenn sauer lustig macht, dann müsste es in Frankfurt nur fröhliche Menschen geben. Der Grund? Die Frankfurter haben ein Nationalgetränk, den Apfelwein oder Äbbelwoi, der so sauer ist, dass er in anderen Regionen als ungenießbar gilt. Die Frankfurter stört das nicht, sie lieben ihr „Stöffche“ und geben allen, die den Apfelwein noch nie probiert haben, einen Tipp: Einfach drei Gläser davon trinken, dann schmeckt er garantiert. So einfach ist es aber leider nicht, für den Apfelwein gilt: Entweder er schmeckt sofort oder nie!

Mehr Lebenseinstellung als Getränk

Ebbelwoi, Äbbelwoi oder eben Apfelwein ist in Frankfurt nicht einfach nur ein Getränk, es ist vielmehr ein Kulturgut und eine Lebenseinstellung. Im Sommer sitzen die Frankfurter auf den harten Bänken vor dem Äppelwoi-Lokal und „petzen“ oder trinken ihren Schoppen. Getrunken wird nicht einfach nur aus einem Glas, sondern aus einem „Gerippten“, gekühlt wird der Äbbelwoi in einem „Bembel“. Zu den Accessoires rund um das Frankfurter Nationalgetränk gehört noch das „Deckelsche“, ein Bierdeckel, der den Wein vor Ungeziefer schützt. Das alles zusammen bildet ein hessisches Idyll, das die Frankfurter einerseits lieben, sich aber andererseits davon distanzieren. Trotzdem sitzen im Sommer der Banker aus der City und die Hausfrau aus Bockenheim im „geblimmelten“ (geblümten) Kleid nebeneinander und kommen mit einem „Eingeplackten“, einem Frankfurter Neubürger, schnell ins Gespräch.

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Der Apfelwein und seine Geschichte

Bereits die alten Griechen von 2500 Jahren kannten Apfelwein, für die Verbreitung in Europa sorgten hingegen die Kelten. In Deutschland taucht der Wein aus Äpfeln erstmals bei den Germanen auf. Kaiser Karl der Große spricht in mehreren Schriften von den „Leuten, die berauschende Getränke bereiten können, sei es Bier, Birnen- oder Apfelwein“. Zum Frankfurter Nationalgetränk aufgestiegen ist der Apfelwein jedoch erst zwischen 1500 und 1650. Damals waren die Trauben für den „richtigen“ Wein knapp und daher sehr teuer. Die Alternative war der Wein aus Äpfeln, wie ihn die armen Leute tranken. Das reiche Bürgertum machte den Apfelwein schließlich zum Volksgetränk. Mitte des 17. Jahrhunderts war der Wein so verbreitet, dass ein Reinheitsgebot her musste. Die Strafen für das Panschen von Apfelwein waren drastisch. „Wer Apfelwein mit Mineralien und Silberblatt verfälscht, soll ohne Gnade mit dem Strang zu Tode gebracht werden“. Auf Verfälschungen mit Rosinen oder Zuckerrüben stand entweder Zuchthaus oder die Auspeitschung.

Der Überlebenskampf der Lokale

Die heutigen Apfelweinlokale müssen mit der Zeit gehen, wenn sie überleben möchten. Das klassische Äbbelwoi-Lokal gibt es kaum noch, denn die Auflagen sind einfach zu streng. Erfrischungsgetränke wie Cola oder auch Bier darf das Lokal nicht verkaufen und aus der Küche dürfen nur Speisen kommen, die gekocht und nicht gebraten sind. Diese rigiden Regeln hält heute kein Wirt mehr ein, denn er zapft das Bier und das Flaschenbier steht im Kühlschrank. Geblieben ist die Tradition des „Brezelbubbs“, der mit einem Henkelkorb zu den Gästen geht und frische Brezel verkauft. Im Angebot hat der „Brezelbubb“ aber auch „Haddekuchen“, also harten Kuchen mit einem geritzten Rautenmuster und „Magrönsche“, süße Kokosmakronen. Der Verkäufer handelt auf eigene Rechnung und der Wirt duldet das, denn die salzigen Brezel fördern den Getränkeumsatz.

Was schmeckt zum Apfelwein?

Wie bei allen alkoholischen Getränken, so braucht auch der Äbbelwoi eine gute Unterlage, sprich ein gutes Essen. Rund um das Kultgetränk gibt es eine ganz eigene Cuisine, zu der Gepökeltes und Gekochtes gehört. Ein beliebtes Gericht ist eine Haxe oder „Haspel, aber auch „Schäufelchen“, die Schweineschulter, ist ein echter Klassiker in den Äbbelwoi-Lokalen. „Leiterchen“, Rippchen mit Sauerkraut und Kartoffelpüree sind eine Köstlichkeit, ebenso wie der berühmte Handkäs mit Musik und Kartoffeln mit „Grie Soß’“, mit grüner Soße. Alles das steht auf den Speisekarten der bekannten Lokale in Alt-Sachsenhausen, wo Einheimische und Touristen in pittoresken Fachwerkhäusern ihr „Stöffche“ genießen.

Ein vielseitiger Wein

Die Apfelweinfamilie hat viele Mitglieder. Ein echter Frankfurter trinkt seinen Äbbelwoi natürlich pur und ist damit ein „Schoppepetzer“. Wer als Autofahrer nicht auf sein „Geripptes“ verzichten möchte, der sollte einen „G’spritzten“ mit Mineralwasser verdünnt trinken. Tief gespritzt heißt in Frankfurt, sehr wenig „Stöffche“ und sehr viel Wasser. Ein „süß G’spritzter“ ist Geschmackssache, da die Mischung aus Äbbelwoi und süßer Limonade nicht jedem schmeckt. Bei den Naturalisten und den Fundamentalisten des Frankfurter Nationalgetränks ist diese Mischung allerdings verpönt. Trotzdem gibt es im Zusammenhang mit dem Obstwein immer mehr Trendgetränke, die die Apfelweinszene kräftig aufmischen. „American Bock“ ist Äbbelwoi gemischt mit Cola und wer einen „Boskop Soda“ bestellt, bekommt den Wein zusammen mit Holundersaft. Für die Traditionalisten ist das ein Verbrechen. In Gourmetkreisen sind sortenreine Weine aus bestimmten Jahrgangsäpfeln ein Muss. Höhepunkt des Trends ist aber ein Sekt aus Rieslingtrauben, der mit einem Hochstädter Apfelwein zu einem Cuvée gepaart wurde.

Ist Äbbelwoi eigentlich gesund?

Alle, die behaupten, dass Alkohol gesund ist, bekommen in der Regel ein mildes Lächeln oder ein Kopfschütteln. Wie kann etwas, das berauscht, sich positiv auf die Gesundheit auswirken? „Modus est in rebus“, heißt ein lateinisches Sprichwort: Ein Maß ist in allen Dingen, auch wenn es um die Gesundheit und den Alkohol geht. In der medizinischen Literatur ist in mehreren Quellen zu lesen, wie gesund der klassische Wein aus Äpfeln ist. Aber auch hier gilt: Die Dosis macht das Gift. Zu viel des Guten hat gravierende Folgen für die Gesundheit, aber leider keine allzu positiven. In richtigen Maßen genossen regt der Wein aber die Verdauung an und verbessert die Durchblutung des Magens. Heiß mit Zimt und Zucker getrunken, wirkt der Wein bei Erkältungen und grippalen Infekten. Die Durchblutung des Herzmuskels verbessert sich und auch, wer unter einem zu hohen Blutdruck leidet, sollte öfter ein Gläschen Apfelwein trinken. Ein Glas am Abend fördert den gesunden Schlaf und da es eine gefäßerweiternde Wirkung gibt, wird das Herz-/Kreislaufsystem ebenfalls geschützt.

Jedes Land, beinahe jede Region und auch viele Städte haben so etwas wie ein Nationalgetränk. In der Bankenmetropole Frankfurt am Main ist es der Äbbelwoi, der Wein aus Äpfeln, der weit über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt ist. Der Apfelwein ist natürlich Geschmackssache, nicht jeder mag ihn, aber er ist ein reines Naturprodukt und ein guter Durstlöscher. Wer Äbbelwoi trinkt, der ist ein geselliger Mensch, sagen die Frankfurter. Sie müssen es wissen, denn sie sind Spezialisten, wenn es um den Obstwein geht.

Beitragsbild: @ depositphotos.com / anaumenko

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Ulrike Dietz

Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen.

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