Biografie: Johann Wolfgang von Goethe

Biografie Johann Wolfgang von Goethe

„Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?“ – fast jeder Schüler kennt diese Zeilen eines dramatischen Gedichts, in dem ein verzweifelter Vater mit seinem fiebernden und fantasierenden Kind unterwegs ist. Johann Wolfgang von Goethe schrieb den „Erlkönig“ 1778, es ist einer seiner bekanntesten Balladen, die ähnlich wie der „Zauberlehrling“, der 1797 entstand, bis heute Stoff im Deutschunterricht ist. Goethe schrieb aber nicht nur fesselnde Gedichte, er war auch ein begnadeter Schriftsteller, Reisender, Frauenschwarm und guter Freund.

Geboren in Frankfurt

Am 28. August 1749 wird im „Hirschgraben“ in Frankfurt ein Junge geboren, der später als einer der größten deutschen Dichter in die Geschichte eingehen wird. Johann Wolfgang soll das Kind nach dem Willen seines Vaters Johann Caspar Goethe heißen. Mit seiner Frau Catharina Elisabeth hat der kaiserliche Rat noch weitere fünf Kinder, von denen aber neben Johann Wolfgang nur die Tochter Cornelia überlebt. Zu der ein Jahr jüngeren Schwester hat Goethe ein sehr enges Verhältnis und sie verbringen in der Kindheit viel Zeit miteinander. Mit drei Jahren kommt der kleine Johann in eine Spielschule und erhält ab 1755 Privatunterricht im Elternhaus. Nach dem Wunsch des Vaters beginnt Johann Wolfgang 1765 in Leipzig ein Jurastudium, besucht aber heimlich auch Vorlesungen in Philosophie und nimmt Zeichenunterricht. Das fröhliche Studentenleben findet 1768 ein jähes Ende, denn Goethe wird schwer krank und kehrt nach Hause zurück.

Die Sturm- und Drangzeit

Zwei Jahre lang kämpft er gegen die Tuberkulose und wendet sich in dieser Zeit mehr und mehr der Religion zu. 1770 nimmt er sein Studium in Straßburg wieder auf und trifft in dieser Zeit Jakob Michael Reinhold Lenz und Gottfried von Herder. Bleibenden Eindruck hinterlässt jedoch die Begegnung mit Friederike Brion. Der Student verliebt sich Hals über Kopf und widmet der Angebeteten das „Heideröslein“, „Willkommen und Abschied“ und das „Mailied“. Die Liebe beflügelt Goethe, denn 1771 promoviert er und darf sich Doktor der Rechte nennen. Wieder in seiner Heimatstadt Frankfurt angekommen, arbeitet er als Anwalt, kümmert sich aber auch verstärkt um die Dichtkunst. Er schreibt den „Götz von Berlichingen“ und verliebt sich erneut. Jedoch bleibt auch die Liebe zu Charlotte Buff unerfüllt, sie regt Goethe aber zum Briefroman „Die Leiden des jungen Werther“an. Dieser Roman macht ihn über Nacht berühmt und zwischen 1773 und 1775 nimmt sich Goethe die Zeit, mit dem „Faust“ zu beginnen.

Goethe in Weimar

1775 bekommt der Jurist und Schriftsteller eine Einladung nach Weimar und macht dort die schicksalhafte Bekanntschaft mit Charlotte von Stein. Die charmante, intelligente Charlotte und die einflussreiche Herzogin Anna Amalia sorgen dafür, dass Goethe seinen Lebensmittelpunkt ganz nach Weimar verlegt. Der Dichter belebt das kulturelle Leben in der Stadt, auch wenn er „nur“ als Beamter der Stadt arbeitet und zum Geheimen Legationsrat ernannt wird. Der Tod seiner geliebten Schwester Cornelia 1777 beeinflusst das Werk Goethes grundlegend. Waren seine Werke zuvor von Sturm und Drang geprägt, so steht jetzt der humanistische Gedanke im Fokus. Zur Erholung reist der Dichter gerne nach Karlsbad und trifft bei einem Besuch in Rom den Maler Tischbein. Er beschäftigt sich mit der Bildhauerei und der Malerei, aber überwiegend arbeitet er an seinen großen Werken, wie dem „Egmont“, dem „Torquato Tasso“, der „Iphigenie“ und dem „Faust“. Erst 1788 kehrt er nach Weimar zurück.

Goethe und Schiller

In Weimar ist der Dichter von den Diensten bei Hof entbunden und er bekommt die Leitung der künstlerischen Anstalten des Herzogtums. Auch mit der Liebe klappt es endlich, Johann Wolfgang verliebt sich in Christiane Vulpius. Eine weitere Begegnung ist aber von ebenso großer Bedeutung, denn Goethe lernt Friedrich Schiller kennen. Er verhilft dem Freund zu einer Professur in Jena, was aber noch wichtiger ist, der Dichter wird Vater eines Sohnes, der auf den Namen August getauft wird. Ab 1794 ist Schiller häufiger Gast im Haus des Freundes und er inspiriert ihn zu den bekannten Balladen. Ab 1797 liefern sich die beiden Dichter einen nicht ganz so ernst gemeinten Wettstreit, dem die deutsche Dichtung unter anderem den „Zauberlehrling“, den „Handschuh“ und den „Taucher“ verdankt. Zusammen mit Schiller und Humboldt gibt Johann Wolfgang von Goethe die Zeitung „Propyläen“ heraus und setzt die Arbeit am „Faust“ fort. 1805 stirbt Schiller und lässt den Freund in tiefer Trauer zurück. Mit einem Epilog zum Schillergedicht „Die Glocke“ setzt er ihm ein Denkmal.

Eine intensive Zeit

Ab 1806 beginnen für den Dichter sehr intensive Jahre, die aber auch von Verlust und Trauer geprägt sind. Der „Faust“ wird vollendet, nach der Schlacht von Jena und Auerstedt wird Weimar besetzt und der Dichter heiratet endlich Christiane Vulpius. 1808 stirbt die geliebte Mutter in Frankfurt und 1809 findet die Begegnung mit Napoleon auf dem Fürstenkongress in Erfurt statt. 1809 erscheinen die „Wahlverwandtschaften“, 1811 ist der erste Teil der Autobiografie „Dichtung und Wahrheit“ fertig. Ein Jahr später kommt es in Karlsbad zu einem Treffen zwischen dem Musiker Ludwig van Beethoven und dem Dichterfürsten. Im selben Jahr erscheint der zweite Teil der Biografie, ein Jahr später folgt der dritte Teil. 1815 erfolgt dann die Ernennung zum Staatsminister. 1816 stirbt Christiane Vulpius und der Dichter zieht sich mehr und mehr aus dem gesellschaftlichen Leben zurück.

Die letzten Jahre

1821 lernt der Staatsminister seine letzte große Liebe, Ulrike von Levetzow kennen. Sie gibt ihm noch einmal die Kraft, sich seinen unvollendeten Werken zu widmen. Er schreibt wieder am „Faust II“ und beendet „Wilhelm Meisters Wanderjahre“. 1827 stirbt Charlotte von Stein, drei Jahre später der Sohn August. Mit letzter Kraft vollendet der Dichter den vierten Teil seiner Biografie und schließt 1831 den „Faust“ endlich ab. Am 22. März 1832 stirbt der Dichterfürst, Geheime Rat und Staatsminister nach einem Blutsturz in seinem Haus in Weimar. Neben seinem Freund Schiller findet er seine letzte Ruhe in der Fürstengruft zu Weimar.

Johann Wolfgang von Goethe war mehr als nur ein Dichter, er war ein Universalgenie. Er hat sich für alles interessiert, er blieb sein Leben lang neugierig und das macht sich in seinem umfangreichen Werk bemerkbar. Seine Reisen flossen ebenso in seine Dichtungen und Schauspiele ein, wie auch seine Bekanntschaften und amourösen Abenteuer. Das alles macht den Dichter zu einem der großen Deutschen, deren Werk nie aus der Mode kommt.

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Freiraum der Kunst: Die Studiogalerie der Goethe-Universität Frankfurt 1964-1968 *
  • Frankfurt a. M. Museum Giersch der Goethe-Universität, Manfred Großkinsky
  • Herausgeber: Michael Imhof Verlag
  • Gebundene Ausgabe: 304 Seiten
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Autor(in) Ulrike Dietz

Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen.

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