Der Bitcoin und sein denkbar schlechter Ruf

Der Bitcoin und sein denkbar schlechter Ruf

Viele Deutsche sind wütend auf Mario Draghi und die Europäische Zentralbank. Schließlich war es der Chef der EZB, der die Geldpolitik so dramatisch gelockert hat, Mario Draghi ist und bleibt der Sündenbock. Dabei übersehen die Kritiker aber gerne, dass der Euro eine sehr stabile Währung ist, was für den Bitcoin leider nicht gilt. Auch wenn die Verzinsung des Sparguthabens zwischen extrem niedrig und null schwankt, alles ist besser als der Bitcoin, denn er ist richtig gefährlich.

Draghi ist an allem schuld

Draghi ist böse, er vernichtet die Ersparnisse der einfachen Leute und soll der Hauptschuldige einer Hyperinflation sein. Er sorgt dafür, dass in nicht allzu langer Zeit die Preise davonrennen werden. Die Logik hinter diesem Horrorszenario ist einfach: Jemand, der zu viel Geldnot sät, der wird schon sehr bald eine Inflation ernten. Jetzt ist es aber ausgerechnet dieser Mario Draghi, der eindringlich vor dem Bitcoin warnt und das sehen viele wieder als ein sehr gefährliches Zeichen. Am Ende möchte der Chef der EZB noch von seinem eigenen Unvermögen ablenken. Er redet den Bitcoin schlecht, damit der Euro in einem besseren Licht dasteht, obwohl das gar nicht stimmt? Aber was stimmt dann? Ist der Euro besser als der Bitcoin oder ist es umgekehrt?

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Bitcoin oder Euro? Was ist gefährlicher?

Beim Streit um den Euro und den Bitcoin helfen emotionale Debatten nicht wirklich weiter. Besser sind nüchterne Fakten und Überlegungen, denn sie zeigen sehr deutlich, ob der Euro vertrauenswürdiger und der Bitcoin riskanter ist. Der erste Fakt ist, dass eine negative Verzinsung der Spareinlagen in Deutschland kein neues Phänomen ist. In den letzten Jahrzehnten gab es immer wieder negative Realzinsen und sie waren mehr die Regel als die Ausnahme. In den 1970er Jahren und auch Anfang der 1990er Jahre sowie zu Beginn des neuen Jahrtausends gab es keine Verzinsung, die die Inflationsrate ausgeglichen hätte. Die negative Realverzinsung gab es auch schon zu Zeiten der D-Mark und das war lange vor dem Amtseintritt des EZB-Chefs.

Warum der Euro so stabil ist

Der Euro ist um einiges stabiler als die D-Mark es jemals war. Zwischen 1980 und 1998, also in den letzten 18 Jahren der D-Mark hatte Deutschland eine jährliche Geldentwertung durch die Inflation von durchschnittlich 2,8 Prozent. Zwischen 1999 und 2017, in den ersten 18 Jahren des Euro, hat die europäische Währung jedes Jahr im Schnitt nur 1,4 Prozent ihrer realen Kaufkraft verloren. Das ist gerade einmal die Hälfte gegenüber der D-Mark. Seit 2011 ist Mario Draghi der Chef der Europäischen Zentralbank und als er seinen Dienst antrat, lag die Inflationsrate jedes Jahr im Durchschnitt bei 1,2 Prozent. Hier ist die Kritik an der Geldpolitik Draghis ebenfalls falsch, zumindest ist das aktuell der Fall, aber das kann sich auch sehr schnell ändern.

Es gibt keinen Schutz

Bieten die privaten Kryptowährungen, zu denen auch der Bitcoin gehört, eine bessere Absicherung gegen die Verluste bei der Kaufkraft als der Euro? Vielleicht hat Mario Draghi doch die richtigen Argumente, wenn er vor dem Bitcoin warnt und gleichzeitig für den Euro wirbt. Tatsache ist, dass hinter dem Bitcoin keine realwirtschaftliche Deckung und auch kein Schutz durch den Staat stehen. Der Staat schützt diese Währung nicht vor möglichen Wert- und Kursverlusten, vor Missbrauch oder vor den gravierenden Folgen der immer stärker werdenden Cyberkriminalität. Wenn das Interesse am Bitcoin weiter steigt, dann steigt die Währung auch in der Gunst von Kriminellen. Sie sind in der Lage, die virtuelle Währung zu hacken und sie nach ihren Wünschen zu manipulieren. Auf diese Weise können die Interessen von Einzelnen missbraucht werden. In diesem Zusammenhang stellt sich aber die Frage, wer von denen, die jetzt vom Bitcoin profitieren, ist bereit, die Kosten für die Sicherheit der Bitcoin-Technologie zu übernehmen?

Die Kurse schwanken extrem

Der Bitcoin unterliegt enormen Kurschwankungen und das macht diese Währung alles andere als stabil. An nur einem einzigen Tag sind Schwankungen im mehrprozentigen Bereich nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Sehr viele, die Mitte Dezember des vergangenen Jahres in den Bitcoin eingestiegen sind, haben nicht selten in diesen zehn Wochen mehr als die Hälfte ihres Einsatzes verloren. Dieser Verlust konnte in den letzten Tagen teilweise wieder wettgemacht werden, aber nur bei denjenigen, die die Nerven behalten und nicht verkauft haben. Im Vergleich dazu der Euro. Hier ist der durch eine Inflation herbeigeführte Wertverlust sehr gering. Als der Euro auf den Markt kam, war er 1,18 Dollar wert, aktuell liegt er bei 1,25 Dollar. Das entspricht seit 1999 einer Aufwertung gegenüber dem Dollar von annähernd sechs Prozent. Das ist genau das Gegenteil eines Wertverlustes.

Experimente, die scheitern müssen

Wer sich die Mühe macht und sich ein bisschen in die Geschichte der Wirtschaft einliest, der wird sehr schnell feststellen, dass Experimente mit privaten Geldsystemen bislang immer gescheitert sind. Der Ablauf war dabei immer gleich, denn zuerst haben sich riesige Blasen gebildet und dann dauerte es nicht mehr lange und es kam zum Crash. Es hat schon seine Gründe, warum sich letztendlich die staatlichen Notenbanken und nicht die privaten Geldsysteme durchgesetzt haben. Ähnlich wie das Rechtssystem, so lässt sich auch das Geldwesen nicht privatisieren. Das schafft nur neue Probleme, obwohl die alten Probleme noch gar nicht gelöst sind. Das staatliche Geldwesen hingegen ist durch einen Rechtsstaat abgesichert. Zudem wird es durch die Politik kontrolliert und die Damen und Herren Politiker müssen öffentlich Rede und Antwort stehen. Beim Bitcoin hingegen gibt es nichts als Anonymität und Intransparenz.

Fazit

Wer die einzelnen Punkte betrachtet und abwägen soll, ob der Euro oder der Bitcoin die bessere Währung ist, der sollte sich die vielen Nachteile der Kryptowährung vor Augen halten. Es gibt zumindest aktuell überhaupt keinen Grund dafür, warum der Bitcoin die staatliche Währung, also den Euro ablösen soll. Das private Geld bietet den Sparern keinerlei Garantie auf mehr Stabilität oder geringere Risiken. In allen Vergleichen schneidet der Bitcoin deutlich schlechter ab als der Euro und der ohnehin schon schlechte Ruf wird immer schlechter. Ob die privaten Währungen wie der Bitcoin jemals eine reale Chance haben? Sicher, aber nur dann, wenn sie eine staatliche Währung und keine virtuelle, stark schwankende, unsichere, private Währung ist.

Beitragsbild: @ depositphotos.com / leungchopan

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Ulrike Dietz

Ulrike Dietz

Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen.
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