Flugtaxis oder die Zukunft fängt gleich hinter München an

Flugtaxis oder die Zukunft fängt gleich hinter München an

Obwohl Dorothee Bär als Ministerin für Digitalisierung noch gar nicht im Amt ist, sorgen ihre tollkühnen Pläne schon für Aufregung. Frau Bär träumt nicht etwa von einem schnellen Internet für alle, sie wünscht sich Flugtaxis. Auch wenn das mit dem Internet noch nicht so richtig klappt, in Sachen fliegendes Taxi ist die Planung schon weiter. Vor den Toren von München basteln vier junge Ingenieure an den Möglichkeiten der modernen Luftfahrt.

Warum nicht fliegen?

Noch vor einigen Jahren konnte sich kaum jemand vorstellen, dass es eines schönen Tages Autos gibt, die mit einem elektrischen Antrieb fahren. Dann kam die Firma Tesla und zeigte, wie schick Autos aussehen, die weder Benzin noch Diesel, sondern nur eine Batterie brauchen und wie gut sie funktionieren können. Der Firma Lilium Aviation geht es ähnlich: Kaum jemand kann sich heute vorstellen, wie es ist, mit dem Taxi zu fliegen, aber es funktioniert und kann vielleicht in einigen Jahren serienreif sein. Vier Studenten an der Technischen Hochschule in München hatten diesen Traum. Als sie sich kennenlernten, stand fest, dass sie gemeinsam etwas Neues auf die Beine stellen wollen. Das Ergebnis ihrer Überlegungen war ein Flugtaxi, aber der Anfang der Entwicklung war alles andere als leicht.

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Eine gemeinsame Vision

Taxis, die fliegen können – angesichts der endlosen Staus auf den Autobahnen und den stets verstopften Innenstädten eine wirklich tolle Idee. Die fliegenden Taxis machen dem Stau wie auch der Luftverschmutzung ein Ende und der Personenverkehr müsste neu geordnet werden. Wer zur Arbeit bisher mit dem Auto gependelt ist, der schwebt jetzt. Für Städtereisen gibt es den Jet in Miniaturform statt der Billig-Airline, die die Umwelt verpestet. Die Flugtaxis, die am Rand von München geplant werden, sind komplett elektronisch betrieben. Hinein passen bis zu fünf Passagiere, Starts und Landungen erfolgen senkrecht und die Flugmaschinen erreichen eine Höchstgeschwindigkeit von bis zu 300 Kilometer pro Stunde. Was aber besonders schön ist, sie fliegen nahezu lautlos.

Auf der Suche nach Geldgebern

Damals wie heute hängen neue Erfindungen und Technologien davon ab, wie viele Sponsoren es gibt und wie viel sie zu zahlen bereit sind. Die vier Entwickler des Flugtaxis hatten großes Glück, sie konnten einen Investor für sich gewinnen, der das Quartett nicht nur bekannt machte, sondern auch internationale Geldgeber ins Boot holte. Unter anderem stieg ein chinesisches Telekommunikationsunternehmen in die noch junge Firma ein und das Kapital wurde für die Entwicklung des Prototypen genutzt. Heute haben die vier Erfinder noch einmal 90 Millionen Euro gesammelt und können das kleine Flugzeug jetzt weiter entwickeln. Zur Hand gehen ihnen dabei 70 Mitarbeiter, die unter anderem von Airbus und von Tesla kommen.

Kein Science-Fiction

Das, was vielleicht nach Science-Fiction klingt, ist bereits Wirklichkeit. Im April des vergangenen Jahres hob der erste der kleinen fliegenden Jets in Oberpfaffenhofen zu seinem Jungfernflug ab. Der Minijet schwebte, angetrieben von 36 Turbinen mehrere Meter weit senkrecht in der Luft und stieg dann waagerecht zu seinem Flug auf. Er drehte noch eine Schleife und landete sanft wieder auf dem Flugplatz, und das alles autonom. Die vier Erfinder sehen froh gelaunt in die Zukunft, wenn sie die Verkehrsentwicklung in großen Städten wie München sehen. Mit den fliegenden Taxis wird ganz Bayern zur Metropolregion München. Heute braucht der Autofahrer eine Stunde, um von einem Ende ans andere Ende der Stadt zu kommen, mit einem Flugtaxi dauert das nur fünf Minuten. Dazu kommt, dass die Städte nur rund 100.000 in einen Start- und Landplatz investieren müssen. Im Vergleich dazu ist eine Anbindung an die Hochgeschwindigkeitszüge der Bahn um ein Vielfaches teurer.

Ist Deutschland schon bereit?

Flugtaxis sind eine Revolution, nicht nur wenn es um die Verkehrsplanung geht, auch der Luftverkehr in Deutschland müsste sich anpassen. Hier aber liegt das große Problem, denn bislang sind der Luftraum und die Fliegerei in Deutschland sehr streng limitiert. Die vier Firmengründer und Tüftler sehen das jedoch nicht als Hindernis, denn sie haben sich bereits Gedanken zu diesem Thema gemacht. So ist es zum Beispiel vorstellbar, eine 100-spurige „Luftstraße“ zu definieren, vielleicht zwischen den beiden Metropolen München und Stuttgart. Die Flugtaxis können auf dieser Straße verkehren, da sie sehr viel niedriger als normale Flugzeuge fliegen. An dieser Stelle schaltet sich wieder die neue Digitalministerin Dorothee Bär in die Diskussion ein. Sie sieht es als ihre Aufgabe an, Deutschland für diese Technologie fit zu machen. Sie möchte verhindern, dass der Zug in die Zukunft von der Konkurrenz aus dem Ausland gelenkt wird und dass schon wieder jemand die Republik elektrisch überholt.

In zehn Jahren Wirklichkeit?

Was heute noch Zukunftsmusik ist, kann in zehn Jahren vielleicht schon zum Alltag gehören. Die Entwickler der fliegenden Taxis können sich vorstellen, dass in zehn Jahren jede große Stadt von Hamburg bis München zwischen zehn und 20 sogenannte Ports haben wird. Dort können die kleinen Jets dann starten und landen. Die Miniflugzeuge können ebenso auf Flachdächern abheben wie landen, sie können Parkflächen von Supermärkten nutzen, wichtig ist nur, dass alle diese geplanten Ports leicht mit dem Auto zu erreichen sind. Da die Start- und Landeplätze keine aufwendige Infrastruktur benötigen, können auch kleinere Städte in den Genuss von Flugplätzen für fliegende Taxis kommen. Die Kosten für den Ausbau der passenden Infrastruktur hält sich in überschaubaren Grenzen, ein weiteres Argument, was für die fliegenden Taxis der Zukunft spricht. Das vielleicht wichtigste Argument für die Flugtaxis ist aber ihre Umweltverträglichkeit. Sie fliegen mit einem elektrischen Antrieb, sie haben keine Abgase, sie sind leise und erfüllen damit alle Kriterien, die heute jeder von einem Auto erwartet.

Dorothee Bär musste sich Hohn und Spott gefallen lassen, als sie in einem Interview mit dem ZDF ihre Pläne für Flugtaxis vorgestellt hat. Die zukünftige Ministerin darf nicht nur, sie sollte sogar Visionen für die digitale Zukunft haben, allerdings gibt es in der Gegenwart große Probleme, die dringender gelöst werden müssen. Dazu gehört unter anderem ein schnelles Internet, und zwar flächendeckend für die ganze Bundesrepublik. Akzeptierbar ist nicht, dass es immer noch Regionen in Deutschland gibt, die nur Internet haben, wenn es nicht nebelig ist. Flugtaxis sind toll, aber Internet für alle ist aktuell wichtiger.

Beitragsbild: @ depositphotos.com / BlackSpring1

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Ulrike Dietz

Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen.

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