Frankfurt gegen eine Meldepflicht für antisemitische Vorfälle

Frankfurt gegen eine Meldepflicht für antisemitische Vorfälle

Antisemitismus ist wieder ein Thema in Deutschland und auch Frankfurt muss sich mit den zunehmenden Vorfällen gegen jüdische Bürger befassen. Vor allem viele Schulen stehen im Fokus, wenn es um Diskriminierung gegen Schüler jüdischen Glaubens geht. „Du Jude“ ist mittlerweile ein Schimpfwort auf den Schulhöfen. Wie mit dem neuen Antisemitismus umgehen? Frankfurt will seinen eigenen Weg gehen und setzt dabei auf Prävention statt auf Denunziantentum.

Die Probleme der Schulen

Der offene Antisemitismus an deutschen Schulen entwickelt sich zu einem immer größeren Problem auch für die Schulen in Frankfurt. Die Schulleitungen und auch die Lehrer schweigen in den meisten Fällen zu den Schwierigkeiten. Es gibt so gut wie keine Meldungen über antisemitische Vorfälle, die die Schulen der Verwaltung oder den Ordnungsbehörden melden. Es spielt nach wie vor eine wichtige Rolle, wie die Schule von außen wahrgenommen wird und was andere über die Schule denken. Diesen Antisemitismus im Verborgenen will Volker Kauder, der Chef der Bundestagsfraktion der CDU, mit einer Art Meldepflicht bekämpfen. Auch der Zentralrat der Juden kann sich mit dieser Idee anfreunden, die Stadt Frankfurt allerdings nicht.

Es gibt keine Statistik

Aktuell gibt es in für Hessen keine Pläne, ein Meldesystem einzuführen. Auch gibt es keine Statistik des Kultusministeriums in Wiesbaden über antisemitische Vorfälle an Schulen in Hessen. Das Kultusministerium möchte alle Verantwortlichen und im Besonderen die Lehrer noch stärker sensibilisieren, wenn es um judenfeindliche Vorkommnisse geht. Frankfurt lehnt das Meldesystem ebenfalls ab. Die Regierung der Stadt sieht keinerlei Notwendigkeit für eine Meldepflicht, sagte die zuständige Schuldezernentin Sylvia Weber (SPD).

Vorbeugen und Fördern

Frankfurt möchte die Prävention in den Mittelpunkt stellen, zudem das Verständnis für die Demokratie fördern und die politische Bildung mehr stärken. Das soll, so die Vorstellung des Magistrats, das Mobbing mit religiösem Hintergrund und die Diskriminierung von jüdischen Mitbürgern bekämpfen. Auch die jüdische Gemeinde in Frankfurt steht einer amtlichen Meldepflicht eher skeptisch gegenüber. Zwang ist nach Ansicht der Gemeinde nicht der richtige Weg, Aufklärung und Sensibilisierung sind die bessere Wahl. Außerdem gab das Gemeindevorstandsmitglied Leo Latasch zu bedenken, dass es nicht einfach ist, Antisemitismus klar zu erkennen. Vielfach handelt es sich um Kritik am Staat Israel, mit Hass auf Juden hat das nichts zu tun.

Workshops für Schüler

In Frankfurt gibt es schon seit einiger Zeit eine Reihe von Initiativen, die sich präventiv mit den Themen Extremismus und Antisemitismus auseinandersetzen. So bietet beispielsweise die Bildungsstätte „Anne Frank“ in regelmäßigen Abständen interessante Workshops an. Lehrer, Schüler und Eltern können dort an Fortbildungen teilnehmen, um judenfeindliche Aktionen schneller zu erkennen und zu bekämpfen. Schülern muss klar sein, dass ihre verletzenden und verächtlichen Äußerungen gegenüber jüdischen Mitschülern nicht geduldet werden. Eine gute Aufklärung kann dabei eher helfen als eine Repression.

Mit der steigenden Zahl von Schülern mit muslimischem Glauben steigt auch die Gefahr des Antisemitismus an Frankfurter Schulen. Die verantwortlichen Behörden stemmen sich mit Präventionsarbeit in den Kitas und den Schulen gegen diesen Trend. Auch das jüdische Museum in Frankfurt macht beim Bildungsprogramm mit und richtet sich dabei besonders an die Berufsschulen, in denen besonders viele antisemitische Vorfälle gemeldet wurden.

Beitragsbild: @ depositphotos.com / zapomicron

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Autor(in) Ulrike Dietz

Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen.