Zeilsheim – wo Frankfurt ganz weit weg ist

Zeilsheim - wo Frankfurt ganz weit weg ist

Wenn die Menschen in Zeilsheim in Richtung Frankfurt schauen, dann nehmen sie die imposante Skyline nur als Schemen wahr. Der Grund ist die große Distanz zu Frankfurt, denn kein anderer Stadtteil ist so weit von der City entfernt wie Zeilsheim. Die Zeilsheimer sind froh, sich den dörflichen Charakter bewahrt zu haben, obwohl der beschauliche Stadtteil und Frankfurt einiges gemeinsam haben. Beispielsweise die Jahreszahl 794, in diesem Jahr wurden Zeilsheim und Frankfurt erstmals in einer Urkunde erwähnt. Geprägt hat Zeilsheim aber nicht Frankfurt, sondern ein anderer Ort.

Zeilsheim in Zahlen

Zeilsheim liegt ganz im Westen des Frankfurter Stadtgebiets und grenzt unmittelbar an den Taunus sowie an die Stadtteile Höchst, Unterliederbach und Sindlingen.

Einwohner: 12.480
Fläche:4,3 Quadratkilometer
Stadtteil seit:1928
Gehört zum Ortsteil:West

Die Zeilsheimer Geschichte

Die Geschichte von Zeilsheim beginnt mit den Römern. Als Archäologen 2005 eine römische Villa und 34 Gräber fanden, stand fest, dass sich die Römer in dieser Region offenbar wohlgefühlt haben. Als „Ciolfesheim“ taucht Zeilsheim zum ersten Mal in einer Urkunde auf und mit dem „Frieden von Zeilsheim“ im Jahre 1463 endet die Mainzer Stiftsfehde. In den kommenden Jahrhunderten machte das bäuerliche Dorf wenig von sich reden. 1917 kam Zeilsheim dann zu Höchst, eine Stadt, die das kleine Dorf weitaus mehr prägte als Frankfurt. Weltweit in die Schlagzeilen kam das kleine Zeilsheim, als dort ein sogenanntes DP-Lager, ein „Lager für Displaced Persons“ eingerichtet wurde. In dem Lager in Zeilsheim lebten 1946 mehr als 3500 heimatlose Juden aus den KZs in Polen. Erst nach der Gründung des Staates Israel im Jahr 1948 wurde das Lager in Zeilsheim aufgelöst. In die Häuser zogen dann Arbeiter der I.G. Farben aus den benachbarten Höchst ein.

Zeilsheim, das Straßendorf

Zeilsheim war im Mittelalter ein Bauerndorf, aber als das Industriezeitalter begann, wurde aus Zeilsheim ein Straßendorf. In früheren Not- und Kriegszeiten standen die Zeilsheimer buchstäblich auf der Straße und waren mehrmals kurz davor, ihr Dorf zu verlassen. Heute heißt der Ortskern Alt-Zeilsheim und ist ein überlastetes Nadelöhr, durch das Tag und Nacht der Verkehr rauscht. Die Bonifatiusroute führt ebenso durch Zeilsheim wie auch ein Teil des Jakobsweges zwischen Frankfurt und Mainz. Die Menschen in Zeilsheim haben immer wieder von vorne angefangen, sich ständig neu erfunden und sie lieben heute das, was sie sind – eine Randlage zum Taunus.

Höchst und Zeisheim – eine prägende Verbindung

Der Nähe zu Höchst und der Tatsache, dass Frankfurt weit weg ist, verdanken viele Zeilsheimer einen sicheren Arbeitsplatz. Die Farbwerke im Nachbarstadtteil brachten viele Menschen in Zeilsheim in Lohn und Brot. Die Farbwerke waren jedoch nicht nur der Arbeitgeber, sie sorgten auch für Wohnraum. „Colonie“ hieß die Siedlung, die die I. G. Farben für ihre Arbeiter in Zeilsheim bauen ließ. Die Werktätigen bekamen die Auswahl zwischen unterschiedlichen Haustypen und Ausstattungen. Besonders beliebt war die Doppelhaushälfte mit einem kleinen Garten, einem Stall und einer Toilette. Alle Häuser der Siedlung entstanden im Jugendstil, sie erinnern an englische Cottages und sie stehen heute unter Denkmalschutz. In den 1990er Jahren bekamen die Häuser eine Sanierung und sind bis heute begehrt.

Ein Beistand in schweren Zeiten

An der Pfaffenwiese steht mit der Michaeliskapelle das älteste Gotteshaus in Zeilsheim. Sie entstand im Jahre 1736 und für die Zeilsheimer ist diese Kapelle weitaus mehr als ein Ort für den Gottesdienst. Die Michaeliskapelle war in früheren Zeiten der Beistand bei Pest und Hungersnöten. Die Menschen flüchteten in die kleine Kirche, wenn draußen ein Unwetter tobte oder fremde Soldaten unterwegs waren. Die Kirche steht immer noch und dahinter, im früheren Spritzenhaus von Zeilsheim, befindet sich das Heimatmuseum des Ortes. Südlich der Pfaffenwiese steht die Märchensiedlung, ein weiteres Geschenk der Farbwerke in Höchst an seine Arbeiter. Warum die Siedlung diesen Namen trägt, ist schnell klar: Alle Häuser zeigen an der Fassade ein Märchen der Brüder Grimm. Aschenputtel, Hans im Glück, Rapunzel und andere bekannte Figuren aus den Märchen schmücken die Gebäude. Vielleicht ist das ein Grund, warum die Menschen so gerne dort leben.

Warum Zeilsheim manchmal quakt

Einmal im Jahr sieht Zeilsheim grün, und zwar beim Froschbrunnenfest. Der Brunnen mit dem großen Frosch aus Stein ist so etwas wie das Wahrzeichen des Ortsteils und die Liebe zum Frosch kommt nicht von ungefähr. Der Name Froschbrunnen geht auf den früheren Löschteich in Zeilsheim zurück, der neben dem Gerätehaus der freiwilligen Feuerwehr lag. In diesem Löschteich fühlten sich die kleinen Amphibien besonders wohl und die Menschen im alten Ortskern von Zeilsheim kamen in der Nacht nicht mehr zur Ruhe. Die Frösche quakten um die Wette und als das Froschkonzert kein Ende mehr nehmen wollte, musste der Teich verschwinden. Geblieben sind nur der Froschbrunnen und das Fest einmal im Jahr, wenn es in Zeilsheim wieder quakt.

Viele Vereine

Wer so weit weg von Frankfurt wohnt, der muss selbst für Unterhaltung sorgen. In Zeilsheim gibt es mehr als 50 Vereine, die für Unterhaltung und Geselligkeit sorgen. Neben der Freiwilligen Feuerwehr gibt es einen Schützenverein, eine Turngemeinde, den Radfahrer-Club und den Kleingärtnerverein Taunusblick. Die Vereine fördern nicht nur den Zusammenhalt der Zeilsheimer Bürger, sie sind auch für viele Veranstaltungen im Dorf zuständig. So engagieren sich die Vereine beim Froschbrunnenfest, beim beliebten Zeilsheimer Nachmittag und dem Weihnachtsmarkt. Der Heimat- und Geschichtsverein betreibt das kleine Heimatmuseum und das Kulturforum Zeilsheim sorgt für ein stets interessantes Programm. Das rege Vereinsleben spielt sich auch in der Stadthalle ab. Das macht den Saalbau zum am meisten besuchten Veranstaltungsort in ganz Frankfurt.

Die Zeilsheimer Bürger sind froh, dass Frankfurt so weit weg ist. Am Ende könnte das, was dort passiert, auf Zeilsheim abfärben. Eine regelrechte Bauwut wie in Frankfurt möchte in Zeilsheim keiner, man bleibt lieber unter sich. Zwar gibt es auch in Zeilsheim ein bisschen Industrie, aber deshalb muss niemand auf die Idee kommen, den weiten Blick über die Wiesen, die Felder und den Taunus zu verbauen. So weit weg wie die Zeilsheimer Frankfurt wahrnehmen, so möchten sie selbst auch wahrgenommen werden. Zeilsheim hat nach wie vor eine eigene Vorwahl und nur drei Buslinien, die 53, 54, 57 sowie der Nachtbus n8 stellen eine Verbindung zu Frankfurt her. Dazu kommt noch die S-Bahnlinie S2, aber das reicht dann auch als Nähe zu Frankfurt.

Beitragsbild: @ depositphotos.com / Lesniewski

Der römische Bestattungsplatz von Frankfurt am Main-Zeilsheim: Grabbau und Gräber der provinzialen Oberschicht (Schriften des Archäologischen Museums Frankfurt am Main) *
  • Peter Fasold, Andrea Hampel, Markus Scholz, Marianne Tabaczek
  • Herausgeber: Schnell & Steiner
  • Auflage Nr. 1 (29.04.2016)
  • Gebundene Ausgabe: 160 Seiten
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Autor(in) Ulrike Dietz

Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen.

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