Sindlingen – Frankfurts tiefster Westen

Sindlingen - Frankfurts tiefster Westen

Wo gibt es eine Glückswiese und eine Friedenseiche, einen ganz besonderen Glockenturm und eine Brücke mit einem schrägen Seil? Richtig, in Sindlingen, einem Stadtteil von Frankfurt, der ganz weit im Westen der Stadt liegt. Sindlingen kann auf eine sehr lange Geschichte zurückblicken und gehörte sogar eine Zeit lang zu Höchst, bevor es zu Frankfurt kam. Noch heute spielt Höchst für den Industriestandort Sindlingen eine wichtige Rolle. Trotzdem hat sich Sindlingen seinen Kleinstadtcharakter bewahrt und das macht diesen Stadtteil so charmant.

Sindlingen in Zahlen

Sindlingen liegt ganz im Westen von Frankfurt, nur vier Kilometer vom Flughafen und zwölf Kilometer von der Innenstadt entfernt.

Einwohner:9139
Fläche:3,3 Quadratkilometer
Stadtteil seit:1928
Gehört zum Ortsteil:West

Die Sindlinger Geschichte

Vermutlich waren es Alemannen, die zwischen 300 und 500 nach Christus im Gebiet des heutigen Sindlingen eine Siedlung gründeten. Als Sundilingen findet Sindlingen 780 oder 802 zum ersten Mal Erwähnung. Die Jahreszahl steht nicht fest, da die Urkunde aus dem Kloster Fulda kein genaues Datum nennt. Die Endung „ingen“ spricht aber für eine alemannische Siedlung, denn die Endung bezieht sich auf eine Sippe oder eine Person. Im Falle von Sindlingen heißt das, die Siedlung gründet ein Sundilo oder ein Sundo für seine Sippe. Im Mittelalter wechselt Sindlingen mehrfach den Besitzer, bevor der Kurfürst Johann Schweikhard von Kronberg 1596 den Ort Höchst am Main zuteilt. Der Dreißigjährige Krieg sorgt für große Verwüstungen und die Zahl der Höfe sinkt von 25 auf 17. Es folgen unruhige Jahre. Anfang des 19. Jahrhunderts kommen Höchst und damit auch Sindlingen zu Nassau-Usingen, ruhig wird es erst, als Sindlingen 1928 zu Frankfurt kommt.

Der bekannte Glockenturm

Er steht wie eine Trutzburg und ist das Wahrzeichen von Sindlingen: der Glockenturm von St. Dionysius. Gebaut im Jahre 1609, gehörte der Turm einst zur katholischen Gemeinde St. Dionysius. Die Kirche wurde 1823 für ein neues Gotteshaus abgerissen, nur der gotische Turm blieb stehen. Der Architekt Carl Florian Goetz entwarf eine neue Kirche für die Gemeinde, und zwar im klassizistischen Stil. 1827 war die neue Kirche fertig und sie zählt heute zu den schönsten Kulturdenkmälern des Denkmalschutzes in Hessen. Der Turm dient dem Stadtteil als weithin sichtbares Wahrzeichen.

Eine bunte Siedlung

Anfang des 20. Jahrhunderts wuchs die Zahl der Sindlinger Einwohner rasant. Viele Menschen fanden im benachbarten Höchst eine Arbeit und in Sindlingen eine Wohnung. Um Wohnraum zu schaffen, wurde die Ferdinand-Hofmann-Siedlung gebaut. Der Bau der Siedlung begann 1920 und erfolgte in mehreren Teilabschnitten. Als die ersten Häuser fertig waren, gab es einen Baustopp von 30 Jahren, in den 1950er Jahren erfolgte dann der Bau der restlichen Siedlung. Die Häuser haben einige Besonderheiten: Sie sind zweistöckig, im neoklassizistischen Stil erbaut und erinnern an einen Palazzo aus dem Mittelmeerraum. 2006 begann die Stadt Frankfurt damit, die Häuser in der Siedlung zu sanieren, alle bekamen einen bunten Anstrich. Heute sind die gelben Häuser mit den Erkern, den Sprossenfenstern und den grünen Fensterläden ein echtes architektonisches Highlight in Sindlingen. Weniger spektakulär ist das Wohnhochhaus in der Hermann-Küster-Straße, es entstand, als sich in den 1960er Jahren abzeichnete, dass die Wohnungen in der Siedlung nicht ausreichen.

Warum die Glückswiese wirklich glücklich macht

Welcher Ort kann schon von sich behaupten, eine Wiese zu haben, die glücklich macht? Sindlingen kann das, denn dort gibt es eine Glückswiese. Im Süden von Sindlingen wird die Landschaft von Wiesen, Feldern und Ackerland geprägt. 2006 suchte eine Pferdebesitzerin nach einem Platz für ihre drei Pferde und fand ihn auf einer Wiese, die heute die Glückswiese heißt. Den Pferden gefiel es auf der schönen Wiese und so kam im Laufe der Jahre immer mehr Land hinzu, die Glückswiese wurde größer und größer. Heute leben auf dem Areal 24 Pferde, 16 Hühner, zehn Gänse, fünf Enten, vier Ziegen, vier Hunde, zwei Kälber, 15 Schafe und fünf Schweine. Alle Tiere hatten ein trauriges Schicksal und waren ein Fall für den Tierschutz. Auf der Glückswiese haben sie eine neue Heimat gefunden, sehr zur Freude der Sindlinger, die gerne zur Wiese kommen, die glücklich macht.

Die Villa Meister

Hoch über dem Main steht ein Bauwerk, das kaum zu übersehen ist: die Villa Meister. Herbert von Meister, ein Vorstand bei Hoechst, ließ dieses schöne Palais 1902 bauen. Heute dient die Villa unter den Linden, wie die Villa Meister auch genannt wird, anderen Zwecken. Elisabeth, die jüngste Tochter von Herbert von Meister, wollte, dass die Villa nach dem Tod des Vaters ein Zufluchtsort für Menschen in Not wird. Ein Rehabilitationszentrum des Deutschen Ordens zog in die prächtige Villa ein. Aktuell leben dort bis zu 30 Menschen, die Probleme mit Drogen haben und sie werden dort für ein neues Leben fit gemacht. Selbst wenn die Therapieerfolge groß sind, nach mehr als 40 Jahren ist die Zukunft der Villa Meister ungewiss. Sehr viele Interessenten haben ein Auge auf die Villa mit dem großen Park geworfen, ein echtes Filetstück unter den Frankfurter Immobilien weckt Begehrlichkeiten.

Eine einzigartige Brücke

Die Bauingenieure Herbert Schambeck und Ulrich Finsterwalder trafen zusammen mit dem Architekten Gerd Lohmer eine sehr mutige Entscheidung, als sie eine nicht alltägliche Brücke gebaut haben. Dabei handelt es sich um eine sogenannte Schrägseilbrücke, wobei die Seile sehr dicht nebeneinander angeordnet sind. Bis die Brücke zwischen 1970 und 1972 für die Farbwerke Hoechst geplant und gebaut wurde, gab es eine solche Konstruktion für den Straßenverkehr und die Eisenbahn nicht. Die Fahrbahn führt zum Werk in Frankfurt Höchst und über die Brücke rollt der werksinterne LKW-Verkehr zwischen dem südlichen und dem westlichen Teil des Industrieparks in Höchst, auch Radfahrer und Fußgänger können die Brücke benutzen.

Sindlingen ist ein Stadtteil, der von Frankfurt wie auch vom Nachbarstadtteil Höchst profitiert hat. Als Teil der damaligen Stadt Höchst wurde Sindlingen zu einem Arbeiterwohnviertel, jedoch ohne die meist hässlichen Begleiterscheinungen. Das ist auch ein Verdienst der Städteplaner, die nicht einfach anonyme Plattenbauten und Hochhäuser auf die grüne Wiese stellten. Sie bauten vielmehr eine Siedlung wie die Ferdinand-Hofmann-Siedlung, die sich perfekt an das Landschaftsbild in Sindlingen anpasste. Auch die Infrastruktur aus kleinen Geschäften, Dienstleistungsunternehmen und Handwerksbetrieben hat Sindlingen dabei geholfen, seine Eigenständigkeit zu bewahren. Der Stadtteil, der älter als die Stadt Frankfurt ist, kann sich sehen lassen.

Beitragsbild: @ depositphotos.com / Lesniewski

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Ulrike Dietz

Ulrike Dietz

Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen.
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