Schwanheim – das charmante Dorf

Schwanheim - das charmante Dorf

Der Westen von Frankfurt ist nicht immer positiv in den Schlagzeilen zu finden. Es geht unter anderem um die Großindustrie, um Kriminalität oder um Zuwanderung und Arbeitslosigkeit. Jedoch gibt es eine Ausnahme und die heißt Schwanheim. Die letzten Schlagzeilen, die Schwanheim gemacht hat, handelten von Wildschweinen, die die Frechheit besaßen, aus dem Stadtwald ins Dorf zu spazieren. Schwanheim ist ein Dorf, das sich seinen ländlichen Charme bewahrt hat. Grün und idyllisch ist es in Schwanheim, es gibt ein bekanntes Naturschutzgebiet und der Rest der Welt ist weit weg.

Schwanheim in Zahlen

Schwanheim liegt im Westen von Frankfurt und gehörte lange zum Landkreis Höchst.

Einwohner:21.330
Fläche:17,7 Quadratkilometer
Stadtteil seit:1928
Gehört zum Ortsteil:West

Die Schwanheimer Geschichte

Schwanheim machte schon recht früh von sich reden. Die erste Erwähnung betraf die Pfarrkirche des Dorfes und diese wurde zusammen mit den Höfen, den Ländereien und den Bewohnern verschenkt. Es war Ludwig, ein Enkel von Kaiser Karl dem Großen und der König des Ostfrankenreichs, der 880 die Schenkung in einer Urkunde erwähnt. Die Pfarrei mit der St. Martin Kirche muss also noch älter sein. Grabungen lassen vermuten, dass die Kirche schon im 6. Jahrhundert aus Holz gebaut wurde. In den folgenden Jahrhunderten hatte es das Bauerndorf nicht immer einfach. Die Besitzer des Dorfs wechselten ständig und während des Dreißigjährigen Krieges wurde Schwanheim völlig zerstört. Im 19. Jahrhundert begann der Wandel und aus dem Dörfchen Schwanheim wurde eine Arbeitersiedlung. Der benachbarte Industriestandort Höchst, zu dem Schwanheim lange gehörte, lockte mit Arbeitsplätzen und mit komfortablen Siedlungen, die im Dorf entstanden. 1928 kommt Schwanheim zu Frankfurt und ist seitdem wieder ein Dorf in der Großstadt.

Natur pur

Was Schwanheim auszeichnet, ist seine Nähe zur Natur. Das Naturschutzgebiet Schwanheimer Düne ist eine der schönsten Sehenswürdigkeiten des Ortes. Es handelt sich dabei um eine knapp 60 Hektar große Binnendüne im Westen von Schwanheim. Wald, Rasenflächen, Sand sowie kleine Seen bestimmen das landschaftliche Bild der Schwanheimer Düne. Vom Aussterben bedrohte Tiere und seltene Pflanzen haben dort eine Heimat gefunden. Seit 1999 führen mit Bohlen gefestigte Wege durch die Dünenlandschaft. So können die Besucher die Landschaft genießen können, ohne die Tiere zu stören. Ein weiteres Naturerlebnis ist die Schwanheimer Wiese, die größte Waldwiese, die es in Frankfurt gibt. Dort, wo heute die große Wiese ist, floss vor 10.000 Jahren der Urmain und auf dem fruchtbaren Boden wuchs der Schwanheimer Wald. Die Wiese wird schon 1483 in alten Chroniken erwähnt und seit 1978 gibt es einen interessanten Waldlehrpfad auf einer Länge von sechs Kilometern.

Die St. Mauritius-Kirche

Die St. Mauritius-Kirche oder genauer gesagt der Turm der Kirche, ist das Wahrzeichen von Schwanheim. 1901 im neugotischen Stil erbaut, steht die schöne Kirche auf historisch bedeutsamem Boden. 2001 entdeckten Archäologen eine tief im Erdboden vergrabene Platte, die den Christuskorpus einer sogenannten Grablegungsgruppe aus spätgotischer Zeit zeigt. Diese Platte, die vermutlich aus dem 14. Jahrhundert stammt, deutet darauf hin, dass dort, wo heute die St. Mauritius-Kirche steht, schon früher eine Kapelle stand. Die Platte ist das älteste Teil aus der Schwanheimer Vergangenheit und ist in der Kirche ausgestellt. Leider bleibt es nur dem Küster der Kirche vorbehalten, einen der Türme zu besteigen. Er kann von dort oben einen wunderbaren Blick auf Schwanheim genießen.

Das Museum im Bahnhof

Der frühere Bahnhof von Schwanheim ist ein Stück Geschichte. Ab 1889 verkehrte zu regelmäßigen Zeiten zwischen Schwanheim und Neu-Isenburg eine Dampfstraßenbahn. Auf diese Weise sollte das Dorf einen besseren Anschluss an Frankfurt bekommen, ganz geglückt ist dieses Vorhaben jedoch nicht. Die Schwanheimer fuhren lieber mit Pferd und Wagen in die Stadt, der mit Dampf betriebenen Straßenbahn standen sie skeptisch gegenüber. Heute befindet sich in den früheren Depots des Waldbahnhofs ein Verkehrsmuseum. 1984 gab es einen Umbau der Wagenhallen und die Besucher können dort alte Straßenbahnwagen bewundern. Zu den Exponaten gehören unter anderem die älteste elektrisch angetriebene Straßenbahn der Welt sowie einer der ersten Niederflur-Beiwagen, der 1924 mit der Frankfurter Lokalbahn unterwegs war.

Ein Zoo für Kinder

Neben dem „großen“ Zoo in Frankfurt gibt es in Schwanheim einen „kleinen“ Zoo, in dem sich vor allem Kinder wohlfühlen. Der Kobelt Zoo öffnete 1916 seine Pforten und erhielt seinen Namen vom bekannten Zoologen und Naturforscher Wilhelm Kobelt. Schnatternde Gänse sind in diesem Zoo zu finden, wie auch Pferde, Esel, niedliche Hasen und Ziegen. Die Tiere lassen sich streicheln und die Besucher dürfen sie auch füttern. In der „Exotenabteilung“ des kleinen Zoos warten Präriehunde, Frettchen, bunte Papageien, drollige Affen, Schlangen und Nasenbären auf die großen und kleinen Besucher. Da der Zoo durch Spenden finanziert wird, ist der Eintritt kostenlos. Noch mehr Tiere gibt es auf dem Schwanenhof, denn dort können Pferdefreunde das klassisch-barocke Reiten kennenlernen, erfunden von François Robichon de la Guérinière, einem französischen Reitmeister.

Das Heimatmuseum in der Schule

Es gab nicht viele Dörfer, die sich eine eigene Schule geleistet haben. Normalerweise mussten die Kinder selbst im 19. Jahrhundert noch einige Kilometer zu Fuß gehen, um in einem größeren benachbarten Ort die Schule zu besuchen. Schwanheim wollte seinen Kindern diesen mühsamen Weg ersparen und baute 1827 eine eigene Schule. Das Gebäude im klassizistischen Stil erbaut, gehört bis heute zum alten Ortskern von Schwanheim und diente bis in die 1950er Jahre als Schulhaus. Seit 1961 finden dort kulturelle Veranstaltungen statt oder das Gebäude wurde zu sozialen Zwecken genutzt. Heute heißt es Wilhelm-Kobelt-Haus und ist das Heimatmuseum von Schwanheim. Interessierte Besucher erfahren dort alles über die Schwanheimer Historie und können einen Einblick in das Leben der Menschen vor 200 Jahren nehmen. Neben altem Werkzeug sind im Heimatmuseum auch alte Küchengeräte zu finden.

Viele Menschen, die die moderne Großstadt Frankfurt besuchen, können sich nicht vorstellen, dass es noch Dörfer gibt, die zu den Stadtteilen gehören. Schwanheim ist ein solches Dorf, das sich seinen ursprünglichen Charme bewahrt hat. Der Stadtteil im Westen von Frankfurt bietet seinen Besuchern, aber auch den Bewohnern viel Natur, eine gute Infrastruktur und eine gute Verkehrsanbindung an Frankfurt. Die Straßenbahnlinien 12 und 19 fahren nach Frankfurt und wer mit dem Bus fahren möchte, der nimmt die Linie 51, 62, 68, 78 oder 79. Für alle Nachtschwärmer fährt zudem der Nachtbus n7.

Beitragsbild: @ depositphotos.com / Lesniewski

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Autor(in) Ulrike Dietz

Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen.

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