Sachsenhausen – Frankfurt von einer ganz anderen Seite

Sachsenhausen - Frankfurt von einer ganz anderen Seite

Sachsenhausen ist in vielerlei Hinsicht ein ganz besonderer Stadtteil. In keinem anderen Stadtteil von Frankfurt leben mehr Menschen, keiner hat eine größere Fläche. Von den Frankfurtern, die in der Innenstadt leben, sind die Sachsenhausener „die drüben vom Bach“ oder auf hessisch „die dribb de Bach“. Sachsenhausen liegt auf der nördlichen Seite des Mains und ist schon seit sehr langer Zeit ein Teil von Frankfurt. Sachsenhausen war nie ein Dorf oder wie Rödelheim eine eigenständige Stadt, Sachsenhausen war und ist bis heute ein Stück Frankfurt.

Sachsenhausen in Zahlen

Streng genommen teilt sich Sachsenhausen in einen südlichen und einen nördlichen Teil. Das gilt allerdings nur statistischen Zwecken, sonst wird Sachsenhausen als ein Stadtteil betrachtet.

Einwohner: 60.300
Fläche:59,1 Quadratmeter
Stadtteil seit:1866
Gehört zum Ortsteil:Süd

Sachsenhausen und seine Geschichte

Angeblich gab es schon im 6. Jahrhundert eine Siedlung an der südlichen Seite des Mains. Ob sich diese Siedlung aber dort befunden hat, wo heute Sachsenhausen ist, bleibt weiter unklar. Nicht ganz geklärt ist auch die genaue Herkunft des Namens. Eine Legende erzählt davon, dass Karl der Große nach dem Blutgericht in Verden 782 die besiegten Sachsen auf der anderen Seite des Mains gegenüber der Kaiserpfalz in Frankfurt angesiedelt hat. Eine andere Geschichte erzählt von einem Gefolgsmann des Königs, der den Namen „Saxo“ trug und einen Adelshof bewirtschaftete. Wieder andere sind der Meinung, dass Sachsenhausen für „Sassen“ steht, also für Gefolgsleute, die keine Bürgerrechte besaßen. 1193 tauchte der Name Sachsenhausen erstmals offiziell auf und schon 1318 kam es durch den sogenannten Stadtfrieden zu Frankfurt. Im Zweiten Weltkrieg wurde Sachsenhausen fast zur Hälfte zerstört. In den Nachkriegsjahren entwickelte sich der Stadtteil auf der anderen Seite zu einem beliebten Viertel zum Ausgehen und ist es bis heute geblieben.

Das Museumsufer

Am Ufer des Mains in Sachsenhausen reihen sich 15 Museen wie Perlen an einer Schnur aneinander. Die Idee zu diesem einzigartigen Museumsufer hatte der frühere Kulturdezernent Hilmar Hoffmann schon 1977, aber es sollte noch einige Jahre dauern, bis seine Pläne in die Tat umgesetzt wurden. 2008 begann die Stadt damit, einige seiner Museen zu sanieren und zu erweitern. So wurde das Filmmuseum renoviert, das weltberühmte Städel bekam einen Erweiterungsbau und Altbauten wie das Historische Museum öffneten wieder ihre Pforten. Heute reicht die Auswahl der Museen vom Ikonen-Museum und dem Deutschen Architektenmuseum über das Liebighaus bis zum Museum Giersch und der Kunsthalle Schirn. Jedes Jahr findet am letzten Wochenende im August die „lange Nacht der Museen“ statt. Die Besucher bekommen dann die Gelegenheit, sich die vielen Museen bei Mondschein anzusehen.

Ein Turm schreibt Musikgeschichte

Im 14. Jahrhundert waren die Zeiten unruhig und so bekam Sachsenhausen eine Stadtbefestigung, wie Frankfurt auch. Diese Befestigung aus Türmen und Toren sollte dafür sorgen, dass die Sachsenhausener Bürger sich sicher fühlen. Tatsächlich ist es niemandem gelungen, diese Befestigungsanlage zu durchbrechen. Von der Anlage ist heute noch der Kuhhirtenturm erhalten geblieben, er wurde ein Teil der Altstadt von Sachsenhausen. Im 19. Jahrhundert gab es die Diskussion, den Turm abzureißen, aber da sich der Turm in der engen verwinkelten Bebauung der Altstadt gut machte, durfte er bleiben. Der Kuhhirtenturm wurde zum Wohnhaus und der wohl berühmteste Bewohner war der Komponist Paul Hindemith. Er machte den alten Turm zu einem musikhistorischen Denkmal, denn dort entstand in den 1920er Jahren die Oper „Cardillac“.

Was ist in Sachsenhausen sehenswert?

Sachsenhausen hat eine Vielzahl von Sehenswürdigkeiten der unterschiedlichsten Art. Das vielleicht auffälligste Bauwerk ist die Dreikönigskirche. Sie entstand 1881 im neugotischen Stil und beeindruckt ihre Besucher durch ihren schönen Innenraum mit den bunten Glasfenstern. Genutzt wird die Kirche mit dem weithin sichtbaren schlanken Turm von der evangelischen Gemeinde, die eine der größten in Frankfurt ist. Die Sachsenhausener Warte ist ein ehemaliger Wehrturm im spätgotischen Stil. Er gehörte einst zur Landwehr und ist einer von vier Warttürmen. In der „Klappergasse“ steht der Frau-Rauscher-Brunnen, der einem der bekanntesten Originale Sachsenhausens gewidmet ist. Frau Rauscher, oder „Fraa Rauscher aus de Klappergass“, wie sie bei den Bürgern hieß, hatte die schlechte Angewohnheit, ihre Mitmenschen mit Wasser zu bespucken. Der 1961 gebaute Brunnen ist mit Vorsicht zu genießen, denn auch er „spuckt“ in unregelmäßigen Abständen Wasser.

In Sachsenhausen ist immer was los

Nicht weiter verwunderlich ist, dass viele Frankfurter gerne in Sachsenhausen leben würden. Der Stadtteil hat eine sehr hohe Lebensqualität und dort ist ständig etwas los. Alleine drei Millionen Menschen besuchen jedes Jahr das Museumsuferfest, eines der größten Volksfeste im Rhein-Main-Gebiet. Beliebt ist auch das Brunnenfest in Sachsenhausen. Dieses Fest gibt es bereits seit 1490 und damit ist es eines der ältesten Feste in Frankfurt. Seit 1982 findet an jedem ersten Samstag im Mai das Goetheturmfest statt. Eine liebe Tradition ist auch der wöchentliche Flohmarkt am Ufer des Mains. Dieser Trödelmarkt ist einer der größten Märkte dieser Art in Deutschland und die Händler präsentieren ihre Waren zwischen 9:00 Uhr und 14:00 Uhr. Seit 2008 ist Sachsenhausen ebenfalls ein Mekka für alle Radsportfreunde, jedes Jahr am 1. Mai geht es rund um den Henninger-Turm.

Das Zentrum des Apfelweins

Nirgendwo in Frankfurt gibt es so viele gemütliche Lokale, in denen das Nationalgetränk Apfelwein ausgeschenkt wird, wie in Sachsenhausen. Wer in Frankfurt ausgehen möchte, der kann das im Kneipenviertel der Stadt. Neben den vielen Apfelwein-Wirtschaften gibt es in Sachsenhausen auch urige Bierlokale, schicke Clubs und angesagte Bars. Nach dem Krieg waren es die amerikanischen Soldaten, die das Viertel in Alt-Sachsenhausen bekannt machten. Heute ist es eine Touristenattraktion, die weit über die Grenzen von Frankfurt hinaus bekannt ist.

Urban, aufregend, gemütlich, modern und nicht zuletzt auch von historischer Bedeutung – Sachsenhausen war immer mehr als nur ein Stadtteil von Frankfurt. Auch wenn die Mainmetropole und Sachsenhausen nur der Fluss trennt, es sind praktisch zwei eigenständige Städte. Die Sachsenhausener sind anders als die Bewohner von anderen Stadtteilen, sie betonen gerne ihre besondere Stellung. Den Begriff „Dribbdebach“ sprechen die Frankfurter mit einer gewissen Bewunderung aus, denn „die da drüben“ auf der anderen Seite des Mains haben vieles, was Frankfurt gerne in seiner City hätte. Schon Goethe wusste um die besondere Stellung von Sachsenhausen. Im „Götz von Berlichingen“ heißt es: „Gegen Frankfurt liegt ein Ding über, heißt Sachsenhausen.“

Beitragsbild: @ depositphotos.com / Lesniewski

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Autor(in) Ulrike Dietz

Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen.

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