Kalbach-Riedberg – wo die Welt noch ruhig und grün ist

Kalbach-Riedberg - wo die Welt noch ruhig und grün ist

Wer einen ersten Blick auf Kalbach-Riedberg wirft, der wird begeistert sein. Es gibt viel Grün und es herrscht eine himmlische Ruhe, aber das ist nur die eine Seite des Stadtteils im Norden von Frankfurt. Familien-Getto nennen viele den Stadtteil, wenig natürlich und mit uniformierten Häusern von der Stange, ein „Unort“, der mit den restlichen Stadtteilen nicht viel zu tun hat. Viele dieser Vorwürfe entsprechen der Wahrheit, denn Kalbach-Riedberg ist nicht natürlich gewachsen, sondern entstand auf dem Reißbrett.

Kalbach-Riedberg in Zahlen

Kalbach-Riedberg ist der jüngste Stadtteil Frankfurts und liegt ganz im Norden der Stadt.

Einwohner:18.350
Fläche:6,9 Quadratkilometer
Stadtteil seit:1972
Gehört zum Ortsteil:Kalbach-Riedberg

Ein junger Stadtteil mit Vergangenheit

Im Jahre 754 war ein feierlicher Leichenzug mit dem Heiligen Bonifatius auf dem Weg von Mainz nach Fulda. Im heutigen Kalbach legte der Zug eine Pause ein und einige Jahre später verschenkte der Besitzer das Feld, auf dem der Leichenzug gehalten hatte, an ein Kloster. In einer Urkunde aus dem Jahr 772 taucht das Dorf Kalbach zum ersten Mal auf. Im Laufe der Jahrhunderte wurden die Bewohner entweder verschenkt, verkauft, vererbt oder verpfändet. Kalbach gehörte zum Kloster Lorsch, dann zum Haus Königstein und Falkenstein, zum Johanniterhaus und schließlich zum Haus Eppstein. 1802 kam der kleine Ort zu Nassau-Usingen und dann zu Wiesbaden. Mit der hessischen Gebietsreform kam Kalbach 1972 zu Frankfurt. 2006 vergrößerte sich der Ort, das Neubaugebiet Riedberg kam dazu und seitdem heißt das Dorf Kalbach-Riedberg.

Ein nicht einfacher Anfang

Als die Entstehung von Kalbach-Riedberg feststand, zeichnete sich schnell Ärger ab. 2001 sollten die Bagger anrücken, aber damit waren viele Bauern der Umgebung nicht einverstanden. Der neue Stadtteil entstand auf Ackerland und während einige Landwirte ihr Land an die Stadt Frankfurt verkauften, wurden andere per Gerichtsentscheid enteignet. 266 Hektar groß ist Kalbach-Riedberg und in den ersten Jahren lebten dort 11.000, heute sind es mehr als 18.000. Diejenigen, die in Kalbach-Riedberg zu Hause sind, schwärmen von dem Stadtteil. Es gibt üppige Grünanlagen, es ist herrlich ruhig und die Kinder spielen sorglos auf der Straße. Auch die Infrastruktur in Kalbach-Riedberg stimmt. Rund um den Riedbergplatz gibt es kleine Cafés, Ärzte haben dort ihre Praxen, es gibt Banken, kleine Geschäfte und zwei Supermärkte. Im Süden des Stadtteils gibt es zudem einen Discounter. Die Kinder müssen nicht in anderen Stadtteilen zur Schule gehen, denn es gibt zwei Grundschulen, eine Gemeinschaftsschule und ein Gymnasium.

Die Gemütlichkeit fehlt

Alle, die Villen aus der Gründerzeit mögen, gerne in lauschigen Gartenlokalen unter alten Kastanienbäumen ihren Apfelwein trinken und Fachwerkromantik lieben, die sind in Kalbach-Riedberg falsch. Der Stadtteil entstand auf dem Reißbrett der Architekten, für Romantik und Nostalgie blieb da kein Platz. Viele bezeichnen Kalbach-Riedberg als ein Getto aus zweckmäßigen, aber wenig attraktiven Neubauten. Sie übersehen dabei jedoch die vielen Grünflächen, die jedes der Quartiere hat sowie die beiden Parks, die nicht so überlaufen sind wie die Parks in Frankfurt. Einer der Parks ist der Kätcheslachpark mit seinem schönen Weiher. Kinder lassen dort ihre kleinen Motorboote fahren und Familien veranstalten Picknicks. Eine Sehenswürdigkeit ist die katholische St. Laurentiuskirche. Die Kirche entstand zwischen 1733 und 1765 im Stil des bäuerlichen Barock, die Innenausstattung stammt aus dem 17. Jahrhundert. Ein schöner Fachwerkbau ist das alte Rathaus von Kalbach. Das Rathaus dient heute als Bürgerbüro und der Schiedsmann der Gemeinde ist dort zu finden.

Der moderne Campus

Wer in Frankfurt studiert, der kennt mit Sicherheit auch den Stadtteil Kalbach-Riedberg. Der Campus Riedberg ist nicht zu übersehen, die modernen rot-schwarzen Bauten prägen ebenso wie die Neubauten das Bild von Kalbach-Riedberg. Die Goethe-Universität Frankfurt hat einige Studienfächer wie beispielsweise Pharmazie, Chemie, Biochemie, Physik und zum großen Teil auch die Geowissenschaften nach Riedberg ausgegliedert. Momentan studieren auf dem Campus Riedberg 4000 Studenten und bis 2020 sollten an der Universität einige Hundert neue Arbeitsplätze geschaffen werden.

Der Bonifatiusbrunnen

Der Heilige Bonifatius spielt in Kalbach-Riedberg nicht nur als Apostel der Deutschen eine besondere Rolle. Sein Leichnam ruhte während einer Rast auf einem Acker in Kalbach, als er von Mainz nach Fulda überführt wurde. Der Legende nach soll in dieser Nacht eine Quelle entstanden sein und genau an dieser Stelle steht heute der Bonifatiusbrunnen. Auf dem Bonifatiusweg, einem Pilgerweg aus dem Mittelalter, wanderten die Pilger von Mainz aus durch die Wetterau und den Vogelsberg bis nach Fulda. 754 wurde der Heilige Bonifatius in Dokkum in Friesland das Opfer eines Mordes und sein Leichnam sollte im Kloster Fulda seine letzte Ruhe finden. 2004, im Jahr des Jubiläums, wurde der Brunnen unterhalb der Kalbacher Höhe eingeweiht. Für die Pilger ist der Brunnen ein fester Bestandteil des Pilgerwegs. Von Eschborn kommend, verweilen die Pilger am Brunnen, da der Leichenzug damals genau an dieser Stelle eine Rast eingelegt hat.

Eine gute Mischung

Der sogenannte Westflügel ist das vorerst Letzte der insgesamt sieben Quartiere in Kalbach-Riedberg. 1500 Wohnungen sind in diesem Quartier entstanden und sie bieten Platz für 3400 Menschen. Bei diesem Quartier haben die Stadtplaner besser überlegt und gehandelt als bei den sechs Vorgängerquartieren. Hier stimmt die Mischung aus Eigentumswohnungen und Mietwohnungen, aus Reihenhäusern sowie Einfamilien- und Doppelhäusern. Auch beim Bau der Straßen sind die Planer im siebten Quartier andere Wege gegangen. Die Straßenräume sind in einer natürlichen und schwingenden Form angelegt, was das Viertel weniger statisch aussehen lässt.

Ein wichtiger Preis

Weit über die Grenzen von Kalbach-Riedberg hinaus bekannt ist der Kalbacher Kinderverein, der jedes Jahr einen Literatur-Preis vergibt, die „Kalbacher Klapperschlange“. Der Preis ist nicht dotiert und eine Jury, die aus Kindern zwischen acht und 13 Jahren besteht, zeichnet seit 1988 einen Kinderbuchautor aus. Bekannte Autoren wie Paul Maar (Das Sams), Cornelia Funke (Drachenreiter), Roald Dahl (Hexen hexen) oder Joanne K. Rowling (Harry Potter) gehören zu den Preisträgern. Unter anderem war Paul Maar in Kalbach und hat aus seinen Büchern vorgelesen.

Es ist falsch, Kalbach-Riedberg als eine Schlafstadt, eine Satellitenstadt oder noch schlimmer, als ein Getto zu bezeichnen. Kalbach-Riedberg hat vielleicht aus städtebaulicher Sicht nicht so eine lange Geschichte wie andere Frankfurter Stadtteile. Kalbach-Riedberg ist jedoch im Laufe der Jahre gewachsen und hat eine eigene Infrastruktur, die gut funktioniert. Alle, die weiter ländlich im Grünen, aber doch modern wohnen möchten, die sind im Norden von Frankfurt, in Kalbach-Riedberg immer an der richtigen Adresse.

Beitragsbild: @ depositphotos.com / Lesniewski

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Autor(in) Ulrike Dietz

Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen.

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