Harheim – wo Frankfurt ganz weit weg ist

Harheim - wo Frankfurt ganz weit weg ist

Immer wenn es Pläne für eine neue Siedlung gibt oder wenn Flüchtlinge eine Unterkunft bekommen sollen, dann fällt den Menschen in Harheim ein, dass sie ein Teil von Frankfurt sind. Harheim, im Nordosten von Frankfurt gelegen, will mit Frankfurt so wenig wie möglich zu tun haben. Die Harheimer waren gegen die Eingemeindung zu Frankfurt und haben Widerstand geleistet. Sie warfen den Verantwortlichen vor, nicht einmal zu wissen, wo Harheim überhaupt liegt. Heute orientieren sich die Bewohner lieber am Taunus und an der Wetterau, wenn es beispielsweise um Kultur geht.

Harheim in Zahlen

Harheim ist für viele Frankfurter der unbekannte Stadtteil, den viele für ein Dorf halten.

Einwohner: 4761
Fläche:4,8 Quadratkilometer
Stadtteil seit: 1972
Gehört zum Ortsteil:Harheim

Die Harheimer Historie

Harheim hieß einmal „Horeheim“ und wird in einer Urkunde aus dem Jahr 786 zum ersten Mal erwähnt. Harheim kam zunächst in den Besitz der Karolinger und gehörte ab dem Hochmittelalter den Herren von Münzenberg. 1255 kam das Dorf dann zur Familie der Falkensteiner und war damit ein Teil vom heutigen Königstein im Taunus. Nach den Falkensteinern kamen die Eppsteiner, die die kleine Gemeinde schließlich 1435 an Frankfurt verkauften. Im weiteren Verlauf der Geschichte wechselte Harheim noch oft den Besitzer und landete 1866 beim Großherzogtum Hessen. Damit wurde Harheim ein Teil der Provinz Oberhessen und würde dort noch immer sein, wenn es 1972 nicht die Eingemeindung zu Frankfurt gegeben hätte. Die Harheimer wollten kein Stadtteil von Frankfurt sein und betrachten sich noch heute als Dorfgemeinschaft weit weg von der Mainmetropole.

Der dörfliche Charme

Warum die Harheimer ihr Dorf so sehr lieben, das wird bei einem Blick auf die Ortsmitte schnell klar. Es sind die kleinen liebevoll gepflegten Gärten vor den pittoresken Fachwerkhäusern, die herrliche Naturlandschaft und die Ruhe, denn Autolärm und Zuglärm sind in Harheim nicht zu hören. Rund um den kleinen Ort sind Naherholungsgebiete zu finden. Hier fließt der Eschbach in die Nidda und entlang der Nidda gibt es eine Reihe von schönen Radwegen. Wer möchte, der kann diesen Radwegen folgen und die Nidda bis nach Höchst begleiten, wo sie ihre Mündung hat. Es gab sogar einen künstlich angelegten Kanal, der in den 1990er Jahren im Auftrag der Frankfurter Stadtväter gebaut wurde. Die Harheimer konnten sich jedoch damit nicht anfreunden, wie mit allem anderen, was aus Frankfurt kommt. Sie setzten sich für einen naturnahen Rückbau des Flüsschens ein und haben bis jetzt den Abschnitt zwischen Harheim und Bonames wieder renaturiert.

Harheim hält zusammen

Die Harheimer haben ein großes Zusammengehörigkeitsgefühl und das nicht nur, wenn es gegen Frankfurt geht. In dem kleinen Ort mit seinen knapp 5000 Einwohnern gibt es 14 verschiedene Vereine und viele Einwohner sind Mitglieder in gleich mehreren Vereinen. Dieser Zusammenhalt ist auch der Grund, warum viele, die aus Harheim kommen, ihrer Heimat nicht so einfach den Rücken kehren. Das Vereinsleben stärkt den Zusammenhalt im Ort, aber auch die gemeinsame Abneigung gegen alles, was Frankfurt betrifft. Als im letzten Jahrzehnt eine Neubausiedlung in Harheim entstand, war das den Einwohnern ein Dorn im Auge. Die Bewohner der Siedlung bleiben daher auch lieber unter sich und nehmen nicht am regen Vereinsleben in Harheim teil. 2015 rollte mit den Flüchtlingen eine noch größere Herausforderung auf die Harheimer zu.

Harheim und die Flüchtlinge

Frankfurt bestimmt und die Harheimer ärgern sich darüber. So auch im Fall der 90 Flüchtlinge, die im Januar 2019 in neu gebaute Einfamilienhäuser einziehen sollen. Verhindern können die Bewohner die Maßnahmen aber nicht, jetzt fordert Frankfurt die Vereine auf, bei der Integration zu helfen. Als ein erster runder Tisch nicht das gewünschte Ergebnis brachte, ordnete die Stadt einen zweiten runden Tisch an. Eingeladen waren die Bürger ebenso wie die Vertreter der Vereine. 35 Harheimer sind dann in den Gemeindesaal der katholischen Kirche gekommen. Die Stadt sucht dringend Bürger, die Zeit haben, um mit den Flüchtlingen zu den Behörden zu gehen, um Kinder zu betreuen oder bei den Hausaufgaben zu helfen. Der katholische Pfarrgemeinderat will zu einem Willkommens-Kaffee einladen, mit den Kindern ein Zeltlager machen und die neuen Bürger zum Singen im Kirchenchor einladen. Fest steht aber, dass das Platzangebot in den Grundschulen, den Horten und den Kindergärten nicht ausreichen wird. Hier muss sich die Stadt Frankfurt etwas einfallen lassen.

Die Sehenswürdigkeiten in Harheim

Es ist nicht viel Sehenswertes, was Harheim für seine Besucher im Angebot hat. Da ist die kleine schöne Marienkapelle, in der sich eine Statue der Mutter Jesu befindet, die sich Besucher des Stadtteils ansehen sollten. Die Statue stammt noch aus dem Jahr 1763. Sehenswert ist auch die katholische Pfarrkirche St. Jakobus, die 1932 nach den Plänen des bekannten Architekten Jan Hubert Pinand entstand. Aus dem Jahr 1965 stammt die Friedenskirche der evangelischen Gemeinde, die nach Plänen von Karl Wimmenauer erbaut wurde. Ein besonders Highlight sind die bunten Fenster, die die Künstlerin Ursula Graeff-Hirsch entworfen hat. Die Kanzel, das Taufbecken und auch der Altar sind das Werk des Bildhauers Erwin Heerich. Der Kirchturm der Friedenskirche ist so etwas wie das Wahrzeichen von Harheim.

Harheim und die Natur

Der Eschbach ist mehr als einfach nur ein Bach, er ist ein Stück Frankfurter Stadtgeschichte. Der Bach entspringt im benachbarten Taunus und mündet dann am Rande von Hartheim in die Nidda. Zu Hartheim gehört auch das Harheimer Ried, ein schönes Naturschutzgebiet. Dort nisten viele einheimische Singvögel und während der Brutzeit im Frühling ist das Ried für Spaziergänger gesperrt. Außerhalb der Brutzeit ist das Harheimer Ried jedoch das perfekte Naherholungsgebiet für viele Bewohner des dörflichen Stadtteils. Wer Entspannung und Erholung sucht, der findet beides in den Wäldern des Harheimer Rieds.

Harheim ist ein Sonderfall unter den Frankfurter Stadtteilen. Die Bewohner leben gerne in ihrem Dorf, aber sie können auf die große Stadt verzichten. Wie wenig Harheim mit Frankfurt zu tun hat, das zeigt sich zum einen an der Aktion bei der Eingemeindung und zum anderen bei der Telefonvorwahl. Die Harheimer wollten kein Teil von Frankfurt sein und kippten daher aus Protest Mist aus den Kuh- und Schweineställen vor dem Frankfurter Rathaus aus. Der Widerstand zeigt sich auch in der Telefonvorwahl. Statt der Frankfurter Vorwahl 069 haben die Harheimer die O6101 gewählt.

Beitragsbild: @ depositphotos.com / Lesniewski

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Autor(in) Ulrike Dietz

Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen.

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