Ginnheim – der unscheinbare Stadtteil

Ginnheim - der unscheinbare Stadtteil

Es soll Frankfurter geben, die haben noch nie von Ginnheim gehört und das, obwohl es sich um einen Stadtteil von Frankfurt handelt. Ginnheim liegt nur drei Kilometer von der Hauptwache entfernt, aber da die Grenzen zu den benachbarten Stadtteilen fließend sind, weiß kaum jemand, wo Ginnheim anfängt und wo es aufhört. Dabei hat Ginnheim eine lange Geschichte, die schon in der Bronzezeit beginnt. Heute ist Ginnheim ein beliebter Stadtteil, der viele Familien anzieht, die sich die teuren Mieten in der Stadtmitte oder in Sachsenhausen nicht mehr leisten können.

Ginnheim in Zahlen

Aus stadtplanerischer Sicht ist Ginnheim noch nicht fertig, vor allem bei der Verkehrsplanung kommt noch einiges auf die Bürger zu.

Einwohner: 16.507
Fläche:2,73 Quadratkilometer
Stadtteil seit:1910
Gehört zum Ortsteil:Mitte-Nord

Die Ginnheimer Geschichte

Wie weit die Geschichte von Ginnheim zurückreicht, zeigen Zufallsfunde aus dem Jahr 1939, damals wurde ein Haus aus der Bronzezeit entdeckt. Schon 1926 fanden Archäologen bei Grabungen Scherben aus der Hallstattzeit. Den nächsten großen Fund gab es dann 1911 im Garten eines Fuhrunternehmers, dort fanden sich die Grundmauern eines Gutshofes aus der Römerzeit. Ginnheim selbst wird unter dem Namen Gennenheim erstmals im Jahre 772 erwähnt. Zunächst gehörte das kleine Dorf zum Kloster Fulda und kam dann Ende des 15. Jahrhunderts zur Grafschaft Hanau-Münzenberg. Wie viele andere Frankfurter Stadtteile, so wechselte auch Ginnheim später zum Landgrafen von Hessen-Kassel und kam 1901 zu Frankfurt. Schon ein Jahr später fuhr bereits die erste Straßenbahn in den Nachbarort Bockenheim, 1911 kam dann eine zweite Linie dazu, die von Ginnheim nach Dornbusch und wieder zurückfuhr.

Der Bauboom im Ginnheim

Nach dem Krieg begann in Ginnheim der große Bauboom. Vor allem die Amerikaner bauten in Ginnheim ihre „Housing-Areas“ für die Soldaten und deren Familien. So entstanden die Häuser in der Franz-Werfel-Straße, die sogenannte Ginnheimer Platensiedlung. Die Siedlung, die den Namen des Dichters August von Platen-Hallermünde trägt, war mit ihren 777 Wohnungen die Größte der „Housing Areas“. Die Siedlung soll in den nächsten Jahren noch weiter wachsen, denn es ist eine Nachverdichtung mit noch einmal 600 Wohnungen geplant. Die Anwohner sehen die Erweiterung allerdings mit großer Skepsis. Sie befürchten, dass dann noch mehr Grünflächen verschwinden. Eine weitere Siedlung entstand durch die frühere Bank Deutscher Länder und auch die May-Siedlung Höhenblick erinnert an den Bauboom in Ginnheim.

Ginnheim und die Bundesgartenschau

1989 wurde Ginnheim eine große Ehre zuteil, denn die Bundesgartenschau, die in Frankfurt stattfand, kam auch in den kleinen Stadtteil. Die Mainmetropole hatte sich schon in den 1960er Jahren um die BUGA beworben, 1962 bekam Frankfurt dann die Veranstaltung zugewiesen. Das Motto lautete „Natur in der Stadt“, und um dieses Motto zu unterstreichen, wurde in Ginnheim der Volkspark Niddatal angelegt, kurz auch nur Niddapark genannt. Der Park mit seinen 168 Hektar ist heute die größte Parkanlage in Frankfurt und beschert Ginnheim ein schönes Naherholungsziel. Der Park mit seinen großen Blumenbeeten, den kleinen Wäldchen und den Wasserspielen erstreckt sich von Ginnheim bis nach Bockenheim, Hausen, Heddernheim und Praunheim. Aus finanzieller Sicht wurde die Bundesgartenschau ein Flop, aber über den schönen Park freuen sich heute noch alle Ginnheimer.

Die Ginnheimer Stadtgärtner

Auch wenn die Bundesgartenschau bei den Bürgern nicht allzu gut angekommen ist, in Ginnheim haben trotzdem viele das Gärtnern zu ihrem Hobby gemacht. Auf dem Kirchplatz gibt es einen Gemeinschaftsgarten und das „Urban Gardening Projekt“ ist das Erste dieser Art in Frankfurt. Die Hobbygärtner wollen den Stadtkern verschönern und wieder zu einem beliebten Treffpunkt zu machen. Die Anwohner kümmern sich liebevoll um die Beete und zeigen so, wie schön ein Garten mitten in der Stadt aussehen kann. Das gemeinschaftliche Projekt ist auch ein soziales Experiment in der Reihe „Stadtlabor unterwegs“, das vom Historischen Museum Frankfurt ins Leben gerufen wurde.

Colorado liegt in Frankfurt-Ginnheim

Colorado liegt normalerweise im mittleren Westen der USA, aber auch Ginnheim hat seinen Wilden Westen. Der Abenteuerspielplatz „Colorado Park“ ist kein Überbleibsel aus der Besatzungszeit der Amerikaner, sondern vielmehr ein großes Gelände, auf dem Kinder sich nach Herzenslust austoben können. Es gibt einen Grand Canyon im Miniaturformat, eine Mississippi-Wasserspielanlage, eine Westernstadt und viel Platz für Spaß und Spiel. Pädagogen gestalten hier das Programm und die Kinder haben die Möglichkeit, in Kursen das Bildhauern zu erlernen oder Theater zu spielen. Damit den Ginnheimer Kindern auch in den Ferien nicht langweilig wird, gibt es ein spannendes und abwechslungsreiches Ferienprogramm.

Ein Platz für kleine Akrobaten

Wie der „Colorado Park“, so ist auch der Zirkus Zarakali ein Förderprojekt der Stadt Frankfurt für Kinder. Unter der Aufsicht von Pädagogen lernen die Kinder und Jugendlichen alles das, was in einem Zirkus für Spannung sorgt. Kinder zwischen sechs und 16 Jahren lernen im Zirkus Zarakali zu zaubern, auf dem Einrad zu fahren, auf dem Seil zu laufen, auf dem Trampolin zu springen und als Clown das Publikum zum Lachen zu bringen. Ergänzt wird das Programm durch Tanzpädagogen, die Kindern zwischen drei und sechs Jahren in Kursen das Tanzen beibringen. Jeden Freitag gibt es ein besonderes Training für alle Einsteiger, die gerne beim Zirkus mitmachen wollen.

Drei Wahrzeichen

Neben der Villa May, der Villa Elsässer und der barocken Bethlehemkirche gibt es in Ginnheim noch drei Wahrzeichen: Das eine ist die Deutsche Bundesbank und das andere ist der 340 Meter hohe Fernmeldeturm, der im Volksmund allerdings nur „Sparschel“ heißt. Die Nummer drei ist das Markus-Krankenhaus aus dem Jahr 1881. Dumm dabei ist nur, dass alle drei Wahrzeichen, die Ginnheim für sich in Anspruch nimmt, eigentlich zu Bockenheim gehören. Das Krankenhaus liegt auf der Gemarkung Bockenheim, der Vorgängerbau hingegen lag in Ginnheim. Mit 680 Betten, vier Instituten, mehreren Kompetenzzentren und zwölf Fachbereichen, ist das Markus-Krankenhaus eine der wichtigsten Kliniken in Frankfurt.

„Genno“ wurde Ginnheim einst genannt und viele nennen den Stadtteil bis heute so. Vom mittelalterlichen Dorf hat sich Ginnheim zu einem modernen Stadtteil von Frankfurt entwickelt. Vieles in Ginnheim ist ein Relikt aus der Vergangenheit, wie die vielen Siedlungshäuser, die die Amerikaner einst hinterlassen haben. Aus der Zeit der Bundesgartenschau stammt der schöne Niddapark, in dem sich die Einwohner von Ginnheim bis heute entspannen und erholen. Verkehrstechnisch sehr gut an Frankfurt angebunden, ist Ginnheim ein unscheinbares, aber nie langweiliges Dorf in der Stadt geblieben.

Beitragsbild: @ depositphotos.com / Lesniewski

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Autor(in) Ulrike Dietz

Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen.

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