Flughafen – der große kleine Stadtteil

Flughafen - der große kleine Stadtteil

20 Quadratkilometer groß, aber nur 211 Einwohner – auch wenn es sich vielleicht komisch abhört, der Frankfurter Flughafen ist ein Stadtteil der Extreme. Kein anderer Stadtteil hat so wenige Einwohner, aber nur ein Stadtteil (Sachsenhausen) ist größer. Der Flughafen ist eine kleine Welt für sich, in der alles das zu finden ist, was es in den anderen Stadtteilen von Frankfurt auch gibt. Kein anderes Viertel gibt so vielen Menschen Arbeit, denn 62.000 Menschen sind auf dem Flughafen der Mainmetropole beschäftigt.

Der Flughafen in Zahlen

Der Frankfurter Flughafen liegt ganz im Süden der Stadt und hat sogar ein eigenes Ortsschild.

Fläche:20 Quadratkilometer
Einwohner:211
Stadtteil seit:1866 und 1977
Gehört zum Ortsteil: Süd

Die spannende Geschichte des Flughafens

1909 findet in Frankfurt am Main eine internationale Luftschifffahrt Ausstellung statt. Diese findet offenbar so großen Anklang, dass direkt danach eine Deutsche Luftschifffahrts-Aktiengesellschaft gegründet wird, die erste Fluggesellschaft der Welt. Der erste Flughafen entsteht 1912 in Frankfurt Bockenheim und ist für Luftschiffe konzipiert, erst später erfolgt der Umbau, damit auch Flugzeuge landen können. Zunächst starten und landen auf dem neuen Flugplatz nur Postflieger, aber schon 1925 sind es bereits 2357 Flugzeuge, die 5500 Passagiere befördern. Seit 1926 gibt es die Deutsche Luft Hansa AG und mit der Gründung beginnt die eigentliche Geschichte des Flughafens Rhein-Main. 1936 transportieren die Flugzeuge 800 Tonnen Fracht und 58.000 Passagiere. Ein Jahr später sind es schon 70.000 Passagiere und 966 Tonnen Fracht. Nach dem Krieg richten die Amerikaner den zerstörten Flughafen provisorisch wieder her, damit von dort aus die Versorgungsflüge der sogenannten „Rosinenbomber“ starten konnten.

Der Flughafen sorgt für Probleme

Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelt sich der Flughafen Rhein-Main nach und nach zum größten Flughafen in Deutschland. Es entstehen neue Terminals sowie neue Start- und Landebahnen, aber das geht nicht ohne Probleme ab. Vor allem der Bau der Startbahn West sorgt für Protestaktionen und eine wahre Klagewelle. Als der Hessische Verwaltungsgerichtshof im Oktober 1980 seine Entscheidung für den Bau der Startbahn fällt, spitzt sich die Lage an der Baustelle drastisch zu. Im November 1980 protestieren 15.000 Menschen und richten ein Hüttendorf ein. Damit wollten die Demonstranten die Möglichkeit haben, schneller und effektiver auf Rodungsabsichten reagieren zu können. 1981 wird die Enteignung des Geländes angeordnet und auch das Hüttendorf geräumt. Die Räumung selbst geht friedlich vonstatten, aber die Demonstranten lassen trotzdem keine Gelegenheit aus, die Polizeibeamten zu attackieren. Es kommt zu mehreren umstrittenen Polizeieinsätzen. Aber der Protest half nicht, im April 1984 fand die feierliche Eröffnung der Startbahn West statt.

Eine Stadt in der Stadt

Der Flughafen Frankfurt ist so etwas wie eine kleine Stadt in einer großen Stadt. So hat der Rhein-Main-Flughafen die größte Flughafenklinik weltweit. Es gibt eine eigene Feuerwehr mit 300 hauptamtlich beschäftigten Feuerwehrleuten in vier Feuerwachen. Maximal vergehen nur drei Minuten, bis die Feuerwehr an der Einsatzstelle eintrifft. Im Terminal 1 gibt es eine christliche Kapelle sowie einen Raum für die stille Andacht im Terminal 2. Für Juden und für Muslime stehen Gebetsräume zur Verfügung und auch für Menschen mit hinduistischem und buddhistischem Glauben gibt es Möglichkeiten zum Gebet. Sowohl die katholische als auch die evangelische Kirche unterhalten auf dem Airport diakonische Einrichtungen und bieten seelsorgerische Dienste an. Kinder, die alleine reisen, haben eine eigene Lounge, in der sie bis zu ihrer Abreise betreut werden.

Essen und einkaufen

Wer auf seinen Flieger wartet oder zwischen zwei Flügen ein wenig Zeit hat, der kann sich im Frankfurter Flughafen die Zeit mit gutem Essen und einem kleinen Einkaufsbummel verkürzen. Die Auswahl der Restaurants reicht von gut bürgerlicher Küche über bayrische Schmankerl im Biergarten, bis hin zur feinen asiatischen Küche. Es gibt ein Restaurant mit italienischer Küche, ein Feinschmeckerrestaurant des Frankfurter Hyatt Hotels und Köstlichkeiten vom Grill im Restaurant Flavors. Komplettiert wird das Angebot von Cafés und Bistros für den kleinen Hunger. Auch Einkaufen ist in den beiden Terminals des Flughafens ein echtes Vergnügen. 68 Geschäfte warten auf Kundschaft und auch hier ist die Auswahl vielfältig. Delikatessen und Süßwaren, Zeitschriften und Bücher, Mode und Accessoires, Kinderspielzeug, Andenken und Blumen, Brillen, Uhren und teurer Schmuck, das alles kann im Flughafen Plaza gekauft werden. Selbstverständlich gibt es am Frankfurter Flughafen auch „Duty-free-Shops“, die einen zollfreien Einkauf erlauben und effektiv dabei helfen, Geld zu sparen.

Der Flughafen als Arbeitgeber

500 Firmen, Dienstleistungsunternehmen und Institutionen sind auf dem viertgrößten Flughafen in Europa zu finden. Insgesamt arbeiten über 60.000 Menschen auf dem Flughafen in ganz unterschiedlichen Berufen. Damit ist der Flughafen in Frankfurt der größte lokale Arbeitgeber in Deutschland. Alleine jedes einzelne Flugzeug beschäftigt rund 300 Menschen, 600 Menschen arbeiten in den Restaurants, Bistros und Cafés, die sich am Flughafen befinden. Rund eine Milliarde Euro investiert der Flughafen jedes Jahr in verschiedene Unternehmen aus der Region. Diese Unternehmen und Betriebe stellen 25.000 Mitarbeiter, die auf dem Flughafen arbeiten.

Die Frankfurter und der Fluglärm

Ein ständiges Ärgernis für viele Frankfurter Bürger ist der Fluglärm. Schon vor dem Ausbau litt die gesamte Rhein-Main Region unter dem Lärm der startenden und landenden Flugzeuge. In Spitzenzeiten erreicht der Lärm bis zu 90 Dezibel. Vom Lärm sind auch Rüsselsheim, Flörsheim und Hanau oder Offenbach betroffen, je nachdem, aus welcher Richtung der Wind kommt. Immer wieder gibt es zu diesem Thema Protestaktionen und der Flughafen wurde gezwungen, sich etwas einfallen zu lassen. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt hat zusammen mit der Fluggesellschaft Condor ein Verfahren entwickelt und den Anflugwinkel verändert. Bei einem steileren Winkel von bis zu 4,5° Grad, statt der sonst üblichen 3° Grad, erhöht sich die Distanz zum Boden und das verringert den Fluglärm.

Der Flughafen in Frankfurt ist eine Welt für sich und der wohl Ungewöhnlichste unter den 46 Stadtteilen. Auf dem Flughafen ist rund um die Uhr etwas los und jedes Jahr zählt der Airport mehr als 60 Millionen Passagiere. Über 2,2 Millionen Tonnen Fracht werden auf dem Flughafen pro Jahr bewegt und damit steht Frankfurt an achter Stelle weltweit. Was die Zahl der Passagiere angeht, steht der Rhein-Main-Flughafen auf Rang 13. In Europa sind nur der Flughafen in London, der Charles de Gaulle Flughafen in Paris und der Amsterdamer Airport Schiphol größer.

Beitragsbild: @ depositphotos.com / Lesniewski

Flughafen Frankfurt: Drehkreuz Europas *
  • Helmut Trunz
  • Herausgeber: Motorbuch
  • Auflage Nr. 1 (31.10.2008)
  • Gebundene Ausgabe: 208 Seiten
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Autor(in) Ulrike Dietz

Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen.

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