Bornheim – das lustige Dorf, in dem viele leben möchten

Bornheim - das lustige Dorf, in dem viele leben möchten

Jedes Mal, wenn es in Frankfurt eine Umfrage gibt, in welchem Stadtteil die Einwohner am liebsten wohnen würden, ist die häufigste Antwort: Bornheim. „Bernem“, wie Bornheim bei den Einheimischen heißt, liegt im Osten von Frankfurt in direkter Nachbarschaft zur Innenstadt. Was macht Bornheim so attraktiv und so besonders? Warum hat Bornheim eigentlich den Beinamen das „lustige Dorf“ und wieso hat ausgerechnet Bornheim mit der Berger Straße die längste Einkaufsstraße Frankfurts? Die Antworten sind verblüffend.

Bornheim in Zahlen

Bornheim ist ein relativ kleiner Stadtteil von Frankfurt, in dem aber viele Menschen leben.

Einwohner:30.211
Fläche:2,80 Quadratkilometer
Stadtteil seit:1877
Gehört zum Ortsteil:Bornheim/Ostend

Die Bornheimer Geschichte

Wahrscheinlich war Bornheim im Jahre 500 eine fränkische Siedlung, urkundliche Erwähnung findet das Dorf aber erst 1194. In der Urkunde ist von einem befestigten Gutshof die Rede, der den Namen „Bornburg“ trug. Schon damals war Bornheim als Wohnort beliebt, denn der Frankfurter Bürgermeister Rulmann Weiß von Limpurg wohnte 1327 lieber in Bornheim als in Frankfurt. Im Mittelalter war die Grafschaft Bornheimer Berg dann ein Zankapfel zwischen Frankfurt und Hanau, in dem sich schließlich Frankfurt durchsetzen konnte. Mit der Gründung des Rheinbunds kam Bornheim zum Departement Frankfurt und 1827 wurde das Dorf an die Wasserversorgung angeschlossen. 1867, als Frankfurt seine Selbstständigkeit verlor, musste Bornheim zur preußischen Provinz Hessen-Nassau wechseln. Zehn Jahre später erfolgte dann die Eingemeindung, das Bornheimer Vermögen von einer Million Gulden bekam Frankfurt.

Das lustige Dorf

Bornheim trägt den Beinamen das „lustige Dorf“. Das liegt zum einen vielleicht an den vielen Karnevalsvereinen, die es in Bornheim gibt. Möglicherweise liegt es auch an den vielen Gasthöfen, in denen der traditionelle Apfelwein oder Ebbelwoi auf der Getränkekarte steht. Vor allem an und um die Berger Straße gibt es viele dieser Traditionslokale, wie das Gasthaus „Zur Sonne“ oder das Gasthaus „Schmärrnche“. Vor allem an den Wochenenden zieht es viele Frankfurter ins lustige Dorf nach Bornheim, um dort zu tanzen und zu feiern. Die Lust zum Feiern zeigt sich auch in den vielen Volksfesten wie der „Dippemess“ und der „Bernemer Kerb“. Die Dippemess gibt es bereits seit dem 14. Jahrhundert, eine Kirmes mit Markt, auf dem hauptsächlich Keramikgeschirr, genannt Dippe, verkauft wird. Die „Bernemer Kerb“, eine Kirchweih, gibt es seit 1608. Sie findet immer in der zweiten Augustwoche statt, und zwar von Freitag bis Mittwoch.

Sehenswertes in Bornheim

Auch wenn es um Sehenswürdigkeiten geht, hat Bornheim einiges zu bieten. Wer mehr über die wechselvolle Geschichte des Ortes wissen möchte, der sollte unbedingt das „Bernemer Museumslädchen“ besuchen. Das kleine Museum in der Turmstraße zeigt interessante Ausstellungen zur Bornheimer Historie. Eine weitere Sehenswürdigkeit ist das Alte Rathaus von Bornheim. Es steht an der Berger Straße und stammt aus dem Jahr 1770. Ursprünglich war das schöne alte Fachwerkhaus wohl das Wohnhaus eines reichen Bauern, erst später bekam es dann seine Funktion als Amtsstube. Heute ist das Alte Rathaus wieder ein Wohnhaus mit einer besonders schön geschnitzten Haustür. Die Johanniskirche war im Mittelalter die Bornheimer Dorfkirche, erstmals erwähnt wird sie 1321. Im Jahr 1753 entscheidet sich der Rat der damaligen Stadt Bornheim, die Kirche abzureißen. Die neue Kirche ist gerade fertig, da schlägt der Blitz ein und das im Stil einer barocken Hallenkirche erbaute Gotteshaus brennt bis auf die Grundmauern ab. 1778 entstand die neue Kirche, an deren Aussehen sich bis heute nichts geändert hat.

Die grüne Oase – der Günthersburgpark

Wie vieles in Bornheim, so hat auch der Günthersburgpark eine sehr lange Geschichte. Unter dem Namen Ossenau wird der heutige Park 1189 erstmals erwähnt. In den folgenden Jahrhunderten sind es immer wieder reiche Patrizierfamilien, denen das Grundstück mit dem alten Baumbestand gehört. Im 19. Jahrhundert kam das heute 7,4 Hektar große Gelände zur Familie Rothschild. Carl Mayer von Rothschild verwandelte den Park in einen englischen Landschaftsgarten mit großzügigen Rasenflächen und einzelnen Baumgruppen. Als Mayer Carl von Rothschild als Letzter in Frankfurt lebender Vertreter seiner Familie kinderlos starb, erbte die Stadt Frankfurt das Gelände. Jedoch gab es eine Auflage: Die Stadt muss den Park der Öffentlichkeit zugänglich machen. Seit 1892 ist das der Fall, der Günthersburgpark steht für alle Bürger offen. Heute hat der Günthersburgpark einen großen Kinderspielplatz mit einem Wasserspielbecken, weite Rasenflächen, schattige Bäume und gepflegte Wege, die zum Spazieren gehen einladen.

Ein Stadtteil im Wandel

Mit knapp 30.000 Einwohnern ist Bornheim der sechstgrößte Stadtteil von Frankfurt. Kein anderer Stadtteil wächst so schnell wie Bornheim und entwickelt sich das frühere Bauerndorf zu einem Abziehbild der Metropole am Main. Bornheim hat Probleme, wie Frankfurt sie auch kennt, wenn auch in einem kleineren Rahmen. Parkplätze und Wohnraum sind mehr als knapp. Spekulanten treiben die Preise für Wohnungen und Grundstücke in die Höhe, viele Geschäftsinhaber können sich die Mieten auf der Berger Straße nicht mehr leisten. Die alt-eingesessenen Geschäfte verschwinden und viele Ladenlokale stehen leer. Die Lücken füllen, wenn auch kurzfristig, Handyläden, Imbissstuben und Franchise-Filialen, beispielsweise von Billigbäckern. Die „Bernemer“ sind aber Kämpfernaturen, die sich gegen die Umstände in ihrem Viertel wehren. Sie sehen sich in erster Linie als Bornheimer und erst dann als Frankfurter.

Die Berger Straße – eine Lebensader

Mit 2,9 Kilometern ist die Berger Straße die längste Einkaufsstraße in Frankfurt. Sie führt durch die Innenstadt und verbindet die Stadtteile Seckbach und Nordend mit Bornheim. Ihren Namen verdankt die Straße dem Frankfurter Stadtteil Bergen-Enkheim. Am unteren Ende der Berger Straße, die von der Friedberger Anlage bis zur Höhenstraße reicht, findet jeden Sommer das beliebte Bergerstraßenfest statt. Auf der Höhe der U-Bahnstation Bornheim gibt es jeden Samstag und an jeden Mittwoch einen bunten Wochenmarkt. Das obere Ende der Berger Straße ist Schauplatz des Bornheimer Weinfestes und auch der Bernemer Kerb.

Bornheim ist eine kleine Stadt in einer großen Stadt. Eine gute Infrastruktur, viele Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung und die gute Verkehrsanbindung an Frankfurt machen Bornheim zu einem beliebten Wohnort. Junge Familien und einheimische „Bernemer“ geben dem Stadtteil ein lebhaftes und buntes Bild. Szene-Kneipen locken viele Frankfurter Partygänger am Wochenende nach Bornheim, um zu feiern und zu tanzen. Obwohl es in Bornheim einige Probleme gibt, wie beispielsweise mit den hohen Mieten, hat sich der Stadtteil dennoch seinen einzigartigen Charme bewahrt. Daher ist es nicht weiter verwunderlich, dass so viele Frankfurter gerne in Bornheim leben möchten.

Beitragsbild: @ depositphotos.com / Lesniewski

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Autor(in) Ulrike Dietz

Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen.

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