Goethe-Haus Frankfurt

Goethe-Haus

Das Goethe-Haus ist ein Schriftstellerhausmuseum und befindet sich in der Innenstadt von Frankfurt am Main. Das ursprüngliche Gebäude war bis 1795 der Wohnsitz der Familie Goethe, allen voran Johann Wolfgang von Goethe. Johann Wolfgang wurde hier 1749 von seinen Eltern Johann Caspar Goethe, Rechtsanwalt, und Katherine Elisabeth Textor, Tochter des Frankfurter Bürgermeisters, geboren. Johann Wolfgang lebte im Haus zusammen mit seiner Schwester Cornelia und seinen Eltern bis 1765, als er im Alter von 16 Jahren nach Leipzig zog, um dort Jura zu studieren. In seiner Autobiographie „Aus meinem Leben“ schrieb Goethe über seine Kindheit:


„Am 28. August 1749, mittags, als die Uhr zwölf schlug, kam ich in Frankfurt am Main zur Welt. Mein Horoskop war günstig: Die Sonne stand im Zeichen der Jungfrau und hatte für den Tag ihren Höhepunkt erreicht; Jupiter und Venus sahen ihn mit einem freundlichen Auge an, und Merkur nicht negativ; während Saturn und Mars sich gleichgültig hielten; der Mond allein, nur voll, übte die Kraft ihrer Reflexion umso mehr aus, als sie dann ihre planetarische Stunde erreicht hatte. Sie widersetzte sich daher meiner Geburt, die erst nach dieser Stunde vollbracht werden konnte.“

Von frühester Kindheit an zeigte Goethe einen erstaunlichen Intellekt und großes Talent, schrieb hier „Götz von Berlichingen“ (1773) und seinen ersten weitgehend anerkannten Roman „Die Leiden des jungen Werther“ (1774). Er legte zudem den Grundstein für seine gefeierte Interpretation von „Faust“. Heute kann der Besucher das Arbeitszimmer mit dem Schreibpult sehen, wie es von Goethe für diese frühen Werke benutzt worden war.

Geschichte des Goethe-Hauses

Das Haus wurde 1733 von Goethes Großmutter Cornelia Goethe, einer Gastwirtin, gekauft. Ursprünglich waren es zwei Häuser aus der Zeit um 1600 im typischen mittelalterlichen Holzbaustil, die Goethes Vater bis 1755 umfassend umgestaltete und modernisierte. Goethe schreibt in seiner Autobiographie, dass sein Vater darauf achtete, den doppelten Überhang der Fassade zu erhalten, der bei Neubauten unter den Richtlinien von 1719 und 1749 nicht erlaubt war. Er betonte, dass es sich um eine Umgestaltung der bestehenden Strukturen und nicht um einen Neubau handelte.

Nach dem Verlassen der Familie Goethe im Jahr 1795 durchlief das Haus eine Reihe von Besitzern, bis es 1863 vom Geologen Otto Volger (1822 – 1897) erworben wurde, der es schließlich in jenen Zustand restaurierte, in dem es die Familie Goethe als Denkmal für seinen berühmten Bewohner hinterlassen hatte.

Zerstörung im Zweiten Weltkrieg

Fast die gesamte Frankfurter Innenstadt wurde bei mehreren verheerenden Luftangriffen im Zweiten Weltkrieg, insbesondere in den Jahren 1943 und 1944, zerstört. Dies gilt nicht nur für die berühmten Gebäude, beispielsweise auf dem Römerberg, die erst in den 50er-Jahren weitgehend originalgetreu rekonstruiert wurden, sondern auch für das Goethe-Haus.

Man schrieb den 22. März 1944, exakt der 112. Todestag Johann Wolfgang von Goethes, als die Alliierten einen großangelegten Luftangriff auf Frankfurt am Main flogen, dem viele Gebäude der Altstadt zum Opfer fallen sollten. Der gesamte Straßenzug des Großen Hirschgrabens wurde dabei ebenfalls schwer beschädigt, das Goethe-Haus durch die Fliegerbomben nahezu vollständig zerstört. Da dieses Gebäude jedoch von besonders wichtiger historischer Bedeutung war (und ist), begannen bereits im Jahr 1947 – also zwei Jahre nach Kriegsende – die Arbeiten zur originalgetreuen Rekonstruktion des Gebäudes. Federführend hierfür war der Architekt Theo Kellner, der durch sein behutsames Vorgehen versuchte, ein Gebäude mit historischem Charme zu errichten, welches dem echten Goethe-Haus nicht nachstehen sollte.

Hitzige Diskussionen über den Wiederaufbau des Goethehauses

Die Rekonstruktion des Geburtshauses von Johann Wolfgang von Goethe wurde begleitet von einer hitzigen Debatte verschiedener Frankfurter Persönlichkeiten und natürlich auch der Bürger. Die Gemüter spalteten sich. Während einige uneingeschränkt dafür waren, dem großen Goethe ein möglichst naturgetreu rekonstruiertes Geburts- und Familienhaus zu widmen, sahen andere den Nachbau des ursprünglichen Gebäudes als Frevel an und lehnten diesen kategorisch ab. Zu Letzteren zählten beispielsweise der damalige Stadtbaudirektor und Leiter des Planungsamtes Werner Hebebrand sowie der Stadtbaurat Eugen Blanck.

Letztendlich setzten sich aber doch die Befürworter des Nachbaus durch, unter ihnen so große Namen wie der Nobelpreisträger Hermann Hesse, der Philosoph Karl Jaspers sowie der Industrielle Richard Merton, welcher erst kurz zuvor aus der Kriegsgefangenschaft heimgekehrt war.

Der Wiederaufbau des Gebäudes sollte schließlich vier Jahre andauern. Erst im Jahr 1951 konnte das Goethe-Haus wiedereröffnet werden, dies geschah im Rahmen einer feierlichen Zeremonie. Das Besondere daran: Während der Kriegsjahre hatte man einen Großteil des Inventars ausgelagert. Darunter befanden sich beispielsweise Möbel, Bücher, Bilder sowie Kunst und Gegenstände aus dem Besitz der Familie Goethe, die unwiederbringlich verloren gewesen wären, sofern man sie nicht an einem sicheren Ort verwahrt hätte. Auch Handschriften von Goethe gehörten zu diesen Schatz. Mit der Eröffnung des rekonstruierten Goethe-Hauses konnten diese Gegenstände wieder an ihren ursprünglichen Platz zurückkehren, wodurch sich ein rundes Ganzes ergab.

Heutige Nutzung

Das Goethe-Haus wird heute als Museum genutzt und präsentiert sehenswerte Rekonstruktionen einiger Zimmer, in denen die Familie Goethe gelebt hat. Unter anderem kann der Besucher die Küche bestaunen, mit dem antiken Kohlenherd und der handbetriebenen Wasserpumpe. Weitere Exponate sind das Lesezimmer mit der Bücherwand, ein Tee- und Esszimmer sowie natürlich die Rekonstruktion des Zimmers des großen Dichters selbst. Ergänzt wird das ständige Museum durch wechselnde Themenausstellungen, die ebenfalls im Goethe-Haus in regelmäßigen Abständen stattfinden.

Das Goethe-Haus ist Mo. – Sa. von 10:00 Uhr – 17:00 Uhr und an Sonn- und Feiertagen von 10:00 Uhr bis 17:30 Uhr für Besucher geöffnet, der Eintritt kostet regulär 7.- Euro.

Die Zukunft des Goethe-Hauses

Das Goethe Haus wird zukünftig ein Teil der sogenannten Goethehöfe sein – ein Gebäudekomplex, der rund um das Goethe-Haus entsteht und voraussichtlich im Jahr 2020 fertiggestellt werden soll. Dieser Komplex wiederum ist Bestandteil des Deutschen Romantik-Museums, das Erinnerungsstücke und ganze Ausstellungen aus der gesamten Romantik-Epoche an einem zentralen Platz in Frankfurt am Main vereinen soll. Träger des Projektes ist der Freie Deutsche Hochstift, der sich auch schon in den letzten Jahren und Jahrzehnten für den Betrieb und Erhalt des Goethe-Hauses verantwortlich zeigte.

Auf dem Gelände des Deutschen Romantik-Museums wird dann auch das Goethe-Museum beheimatet sein, welches eine sehr sehenswerte Galerie von Gemälden aus der Zeit Goethes bereithält. Ergänzt wird das Ganze durch exklusive Privatwohnungen und ein Café, die sich um einen romantischen Innenhof gruppieren.

Beitragsbild: @ depositphotos.com / claudiodivizia

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Autor(in) Markus Wilde

Der Autor arbeitet seit mehr als zehn Jahren als Web- & Werbetexter und lebt von Geburt an in und um Frankfurt am Main.

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