Christopher Street Day in Frankfurt – ein Event für Toleranz und Lebensfreude

Christopher Street Day in Frankfurt - ein Event für Toleranz und Lebensfreude

In diesem Jahr wird der Christopher Street Day in Frankfurt vom 20. bis zum 22. Juli gefeiert. Das bunte Fest findet seit 26 Jahren in der Mainmetropole statt und auch 2018 erwartet die Teilnehmer und die vielen Gäste eine gelungene Mischung aus einer schrillen Party, einer politischen Demonstration und einem kunterbunten Showprogramm. Obwohl der Christopher Street Day einen sehr ernsten Hintergrund hat, gefeiert wird das Leben und er ist ein Appell für mehr Toleranz.

Die Entstehung des Christopher Street Day

Es gibt viele Feste, die blicken auf seine sehr lange Tradition zurück, beim Christopher Street verhält es sich anders, denn die Entstehungsgeschichte ist traurig. Alles beginnt in den 1960er Jahren, einer Zeit, in der die Toleranz gegenüber Schwulen und Lesben nicht sonderlich groß war. In New York führte die Polizei in regelmäßigen Abständen Razzien in den einschlägigen Lokalen durch und das ging nicht immer friedlich ab. Wer sich nur in einer Schwulenbar aufgehalten hat, der musste damit rechnen, nicht nur angeklagt, sondern auch öffentlich bloßgestellt zu werden. Dann kam die schicksalhafte Nacht vom 27. auf den 28. Juni 1969. Die Polizei wollte wie immer eine Razzia durchführen, aber in der Bar „Stonewall Inn“, Christopher Street, Ecke 7th Avenue leisteten die Gäste erbitterten Widerstand. Zum ersten Mal lehnten sich die Schwulen und Lesben gegen die Beleidigungen und die willkürlichen Diskriminierungen der Polizisten auf. Das war jedoch erst der Anfang, denn die Polizei hatte schon bald einen ganzen Stadtbezirk gegen sich.

Ein Viertel solidarisiert sich

Die Auseinandersetzung zwischen den Gästen der Bar „Stonewall Inn“ und der Polizei führte zu einer Solidaritätsbekundung der Menschen im New Yorker Stadtviertel Greenwich Village. Die Menschen dort stellten sich schützend vor die homosexuellen Männer und lesbischen Frauen. Es kam immer wieder zu Streitigkeiten mit der Staatsgewalt und es entstand eine moderne Bewegung der Emanzipation. Schließlich gründete sich die „Gay Liberation Front“, die sich für die Rechte von Homosexuellen und transsexuellen Menschen einsetzt. In Erinnerung an die Geschehnisse in jeder Nacht im Juli 1969 findet seitdem ein Straßenumzug statt. Der Christopher Street Day ist ein Symbol für mehr Verständnis und mehr Toleranz gegenüber Menschen, die anders leben.

Der Christopher Street Day in Deutschland

Weltweit schlug der Aufstand der mutigen New Yorker Bürger hohe Wellen, die auch bis nach Deutschland reichten. Hier war die Szene der Lesben und Schwulen gerade dabei, sich völlig neu zu organisiere, denn die Lockerung des Paragrafen 175, auch Schwulenparagraf genannt, war beschlossen. Homosexuelle Beziehungen standen nicht mehr unter Strafe, wenn die Partner beide erwachsen sind. Die Ereignisse in New York sorgten dafür, dass die Szene für weitere Freiheiten kämpfte. Auch in Berlin sowie in Bremen ging die Community zum ersten Mal auf die Straße. Zehn Jahre nach den Unruhen im Greenwich Village gab es den ersten organisierten Umzug, den Christopher Street Day. Zum Umzug in Berlin kamen 400 Teilnehmer, die aber aus Angst vor Repressalien, vermummt am Umzug teilnahmen. „Gay Pride“ lautete das Motto des Umzugs und damals konnte niemand ahnen, was sich aus dem kleinen Protestzug einwickeln würde.

Eine schillernde Parade

1979 war der Christopher Street Day noch klein und beschaulich. Heute hat er sich zu einer schillernden und bunten Parade entwickelt, die international auf die Rechte der Transsexuellen, der Bisexuellen, der Schwulen und Lesben aufmerksam machen möchte. Aus der Protestbewegung ist eine Massenveranstaltung im modernen Gewand geworden und die eigentliche Botschaft ist in den Hintergrund getreten. Waren es Anfang der 1990er Jahre noch knapp 15.000 Besucher auf dem Christopher Street Day in Frankfurt und Berlin, sind es heute locker über eine Million Besucher. Heute vermummt sich niemand mehr auf dem Christopher Street Day, eher das Gegenteil ist der Fall. Die Teilnehmer tragen fantastische Kostüme, sie präsentieren sich stolz und das im schrägen Outfit. Auch in Frankfurt gehören zu jedem Christopher Street Day ein ausgelassenes Straßenfest und eine politische Kundgebung am Schluss der Veranstaltung.

Frankfurt in den Farben des Regenbogens

Der Christopher Street Day in Frankfurt ist immer ein besonderes Erlebnis. Der Höhepunkt des Events ist auf jeden Fall der Samstag, wenn die Teilnehmer in einer bunten Parade zweieinhalb Stunden durch die Frankfurter Innenstadt ziehen. Der Umzug beginnt auf dem Römerberg, der mit den Farben des bunten Regenbogens geschmückt ist und er endet auf der Konstablerwache. Ein ganz besonderer Moment in jedem Jahr ist eine Schweigeminute, die den an AIDS gestorben Menschen gewidmet ist. Alle, die in Frankfurt am Christopher Street Day dabei sein möchten, müssen sich im Vorfeld anmelden. Wer nur zuschauen will, der sollte früh vor Ort sein, denn das Fest ist immer sehr gut besucht und die besten Plätze sind schnell vergeben.

Ein tolles Fest für alle

Der Christopher Street Day ist ein tolles Fest für alle, die einen unbeschwerten fröhlichen Tag verbringen wollen. Der Startschuss fällt am Samstag, den 21. Juli 2018 um 15:00 Uhr, wenn der Frankfurter Bürgermeister den CSD offiziell eröffnet. Neben dem Umzug gibt es auch in Frankfurt ein buntes Rahmenprogramm. Das Angebot reicht von Bühnenshows und Partys bis zur Disco unter freiem Himmel. Livemusik steht auf dem Programm und auch hier ist das Angebot breit gefächert. Neben Dance-Pop wird auch der gute alte Schlager gespielt, es gibt musikalisches Kabarett vom Feinsten, Travestieshows, Karaoke und vieles mehr. Zudem gibt es wieder viele Informationsstände der schwul-lesbischen Vereine, die über ihre vielen Initiativen und Aktionen berichten. Ein echtes Highlight ist der schon legendäre Wettlauf auf Stöckelschuhen in der Infostraße, der am Samstag um 19:00 Uhr startet. Den ganzen Tag über ist in der Frankfurter Innenstadt jede Menge los. Am Abend feiert man in den Kneipen und Bars bis zum frühen Morgen weiter.

Der Christopher Street Day war einst eine Art von Protestveranstaltung. Heute macht das fröhlich-bunte Fest, was auch ein fester Bestandteil des Frankfurter Eventkalenders ist, Werbung für ein friedliches und tolerantes Miteinander. „Grenzen überwinden – Brücken schlagen“, so lautet das Leitmotiv des CSD in Frankfurt. Auch in diesem Jahr freuen sich die Veranstalter wieder auf viele Besucher, die eine fröhliche Zeit verbringen möchten. Wenn das Wetter mitspielt, dann wird auch der diesjährige CSD ein so großer Erfolg wie 2017.

Beitragsbild: @ depositphotos.com / Hackman

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Autor(in) Ulrike Dietz

Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen.

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