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Wenn Frankfurts Häuser in die Jahre kommen: Warum alte Rohrleitungen zum unterschätzten Problem werden können

Redaktion · Immobilien
Gründerzeitliches Eckwohnhaus an der Holzhausenstraße im Frankfurter Nordend

Frankfurt wächst, verändert sich und baut neu. Wer durch Europaviertel, Riedberg oder andere jüngere Wohnquartiere fährt, bekommt schnell den Eindruck einer modernen Stadt mit entsprechend moderner Gebäudetechnik. Doch dieses Bild zeigt nur einen Teil Frankfurts.

In vielen gewachsenen Stadtteilen prägen ältere Wohnhäuser das Straßenbild. Besonders deutlich wird das etwa im Nordend, dessen Bebauung bis heute von zahlreichen Gebäuden aus der Gründerzeit geprägt ist. Auch in anderen etablierten Wohnquartieren gehören ältere Mehrfamilienhäuser selbstverständlich zum Frankfurter Stadtbild.

Das ist nicht nur architektonisch interessant. Hinter den Fassaden befindet sich Gebäudetechnik, die über Jahrzehnte genutzt, verändert und teilweise mehrfach saniert wurde. Dazu gehören Wasserleitungen und insbesondere die Abwasserleitungen eines Hauses.

Eine langsam ablaufende Küchenspüle oder ein gluckernder Abfluss erscheint zunächst harmlos. Gerade in älteren Gebäuden können solche Symptome jedoch Hinweise auf Ablagerungen, Verengungen oder Schäden innerhalb des Rohrsystems sein.

Frankfurt hat einen überraschend alten Gebäudebestand

Wie bedeutend das Thema tatsächlich ist, zeigen die Zahlen der Stadt Frankfurt — weitere Kennziffern zur Stadt haben wir unter Zahlen und Fakten zusammengestellt.

Nach der Gebäude- und Wohnungszählung 2022 gab es in Frankfurt 79.004 Wohngebäude mit insgesamt rund 390.000 Wohnungen. Bemerkenswert ist vor allem deren Altersstruktur: 37,1 Prozent der Wohngebäude wurden vor 1950 errichtet. Weitere 30,7 Prozent stammen aus den Jahren 1950 bis 1969.

Damit wurden mehr als zwei Drittel der Frankfurter Wohngebäude vor 1970 gebaut.

Das bedeutet selbstverständlich nicht, dass sich in all diesen Gebäuden noch die ursprünglichen Abwasserleitungen befinden. Viele Häuser wurden inzwischen teilweise oder umfassend modernisiert. Dennoch kann das Alter eines Gebäudes ein wichtiger Anlass sein, genauer auf den Zustand der technischen Infrastruktur zu achten.

Frankfurts Gebäudegeschichte reicht dabei weit zurück. Ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts setzte ein erheblicher Bauboom ein. Zwischen 1858 und 1900 vervierfachte sich der Gebäudebestand der Stadt von 4.117 auf 16.663 Gebäude. Später folgten weitere große Bauphasen, unter anderem während des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg.

Die heutige Stadt besteht deshalb aus sehr unterschiedlichen Generationen von Gebäuden – und entsprechend unterschiedlich können auch Leitungen, Anschlüsse und Entwässerungssysteme beschaffen sein.

Warum ältere Abwasserleitungen anfälliger sein können

Das Alter einer Leitung allein verursacht noch keine Verstopfung. Entscheidend ist das Zusammenspiel aus Material, Zustand, Nutzung und Wartung.

Über Jahrzehnte können sich beispielsweise Fette, Seifenreste und andere Ablagerungen an Rohrinnenwänden festsetzen. Dadurch verringert sich der freie Rohrquerschnitt allmählich. Was zunächst kaum auffällt, kann irgendwann dazu führen, dass Abwasser deutlich langsamer abläuft.

Auch bauliche Veränderungen spielen eine Rolle. In einem Frankfurter Mehrfamilienhaus können während seiner Lebensdauer Küchen versetzt, Badezimmer modernisiert, Wohnungen zusammengelegt oder zusätzliche Sanitäreinrichtungen eingebaut worden sein. Nicht jede Veränderung bedeutet automatisch ein Problem. Sie kann ein historisch gewachsenes Leitungssystem aber komplexer machen.

Hinzu kommen mögliche Schäden wie:

  • Ablagerungen und starke Verengungen
  • Korrosion oder Materialermüdung
  • undichte Rohrverbindungen
  • Risse und beschädigte Leitungsabschnitte
  • Wurzeleinwuchs bei erdverlegten Leitungen
  • ungünstige Gefälleverhältnisse
  • Fremdkörper im Rohr
  • wiederkehrende Fett- und Seifenablagerungen

Gerade wiederkehrende Verstopfungen sollte man deshalb nicht ausschließlich als alltägliches Ärgernis betrachten.

Küche, Bad und Toilette: Nicht jede Verstopfung hat dieselbe Ursache

Die Stelle, an der das Problem sichtbar wird, muss nicht zwangsläufig der Ort sein, an dem seine Ursache liegt.

Verstopfung in der Küche

In Küchen sind Fette und Speisereste besonders problematisch. Flüssiges Fett kann im warmen Zustand problemlos in den Abfluss gelangen, kühlt innerhalb der Leitung jedoch ab und lagert sich an den Rohrwänden ab. Zusammen mit anderen Rückständen kann daraus über längere Zeit eine hartnäckige Verengung entstehen.

Deshalb sollten Speiseöle und größere Mengen Fett grundsätzlich nicht über die Spüle entsorgt werden.

Verstopfung im Badezimmer

Haare, Seife, Hautpartikel und Pflegeprodukte bilden in Dusche, Badewanne und Waschbecken typische Ablagerungen. Häufig lassen sich oberflächennahe Verschmutzungen noch relativ einfach beseitigen.

Tritt das Problem jedoch regelmäßig wieder auf, kann die Ursache tiefer im Leitungssystem liegen.

Verstopfung der Toilette

Toilettenpapier ist für die Entsorgung über das WC vorgesehen. Andere Produkte sind wesentlich problematischer. Feuchttücher, Hygieneartikel, Küchenpapier, Katzenstreu oder Essensreste gehören nicht in die Toilette.

Besonders Feuchttücher können problematisch sein, weil sie sich deutlich anders verhalten als normales Toilettenpapier und innerhalb des Abwassersystems zu Blockaden beitragen können.

Wenn mehrere Abflüsse gleichzeitig Probleme machen

Ein Waschbecken läuft schlecht ab – das kann ein lokales Problem sein. Werden jedoch gleichzeitig Dusche, Toilette und Waschbecken auffällig, sollte genauer hingesehen werden.

Typische Warnzeichen sind:

  • Wasser läuft an mehreren Stellen ungewöhnlich langsam ab.
  • Abflüsse gluckern regelmäßig.
  • Aus einem Abfluss entstehen unangenehme Gerüche.
  • Wasser steigt an einer anderen Ablaufstelle hoch.
  • Eine gerade beseitigte Verstopfung tritt kurze Zeit später erneut auf.
  • Im Keller oder in tiefer gelegenen Räumen tritt Abwasser zurück.

Je mehr dieser Symptome gleichzeitig auftreten, desto weniger wahrscheinlich ist eine einfache oberflächennahe Verstopfung.

Warum chemischer Rohrreiniger nicht immer die beste Lösung ist

Bei einem verstopften Abfluss greifen viele Menschen zunächst zu chemischen Rohrreinigern. Das erscheint praktisch: Mittel einfüllen, warten und anschließend mit Wasser nachspülen.

Doch damit wird nicht automatisch die eigentliche Ursache behoben.

Bei einer leichten organischen Ablagerung kann ein geeignetes Produkt möglicherweise Wirkung zeigen. Befindet sich tiefer im System jedoch eine massive Verengung, ein Fremdkörper oder sogar ein beschädigter Leitungsabschnitt, löst Chemie das strukturelle Problem nicht.

Auch verschiedene Reinigungsmittel miteinander zu kombinieren ist keine gute Idee. Dabei können gefährliche chemische Reaktionen entstehen.

Sinnvoller ist es, zunächst die Ursache einzugrenzen.

Wiederkehrende Verstopfung: Warum eine Kanalinspektion sinnvoll sein kann

Moderne Rohr- und Kanaltechnik ermöglicht es, Leitungen nicht nur zu reinigen, sondern ihren Zustand von innen zu untersuchen.

Bei einer Kamerainspektion wird eine geeignete Kamera durch die Leitung geführt. Fachleute können dadurch beispielsweise Ablagerungen, Beschädigungen, Hindernisse oder andere Auffälligkeiten lokalisieren.

Das ist insbesondere interessant, wenn:

  • eine Verstopfung regelmäßig zurückkehrt
  • die Ursache trotz Reinigung unklar bleibt
  • ein älteres Gebäude gekauft werden soll
  • Feuchtigkeit oder Gerüche auf einen möglichen Leitungsschaden hindeuten
  • Sanierungsarbeiten geplant sind oder
  • der Zustand einer Leitung dokumentiert werden soll.

Statt immer wieder nur das akute Symptom zu beseitigen, kann so nach der tatsächlichen Ursache gesucht werden.

Kanalinspektion kann auch beim Kauf einer älteren Immobilie interessant sein

Wer in Frankfurt eine ältere Eigentumswohnung oder ein Haus kauft, beschäftigt sich meist intensiv mit Dach, Fassade, Fenstern, Heizung und Energieverbrauch. Das Abwassersystem steht dagegen selten weit oben auf der persönlichen Checkliste.

Dabei sind große Teile davon unsichtbar.

Ein frisch renoviertes Badezimmer sagt beispielsweise wenig darüber aus, in welchem Zustand sich weiterführende Abwasserleitungen befinden. Auch eine modernisierte Küche bedeutet nicht zwangsläufig, dass sämtliche Leitungsabschnitte erneuert wurden.

Gerade bei älteren Immobilien kann es deshalb sinnvoll sein, sich vor dem Kauf oder im Rahmen einer geplanten Sanierung mit der Entwässerung zu beschäftigen.

Eine Inspektion ist dabei keine Garantie dafür, dass niemals ein Schaden auftreten wird. Sie kann jedoch zusätzliche Informationen über den aktuellen Zustand zugänglicher Leitungsabschnitte liefern.

Was können Bewohner selbst tun?

Viele Rohrprobleme lassen sich zumindest teilweise vermeiden. Dafür braucht es keine komplizierte Technik, sondern vor allem einen bewussten Umgang mit den Abflüssen.

Im Alltag helfen einige einfache Regeln:

  • Speisereste nicht über die Spüle entsorgen.
  • Fette und Speiseöle nicht in den Abfluss gießen.
  • Haarsiebe in Dusche und Waschbecken verwenden.
  • Feuchttücher und Hygieneartikel nicht über die Toilette entsorgen.
  • Erste Veränderungen beim Ablaufverhalten beobachten.
  • Wiederkehrende Probleme nicht dauerhaft ignorieren.
  • Bei mehreren gleichzeitig betroffenen Abflüssen die Ursache fachgerecht prüfen lassen.

Besonders in Mehrfamilienhäusern ist außerdem wichtig: Das Abwassersystem wird von vielen Haushalten gleichzeitig genutzt. Was in einer Wohnung in den Abfluss gelangt, kann unter Umständen an anderer Stelle des gemeinsamen Leitungssystems Auswirkungen haben.

Wann sollte ein Fachbetrieb eingeschaltet werden?

Nicht jeder langsam ablaufende Abfluss benötigt sofort professionelle Rohrreinigung.

Ein einfaches Haarsieb zu reinigen oder einen zugänglichen Siphon fachgerecht zu säubern, gehört zu den Problemen, die Bewohner häufig selbst lösen können.

Anders sieht es aus, wenn Wasser zurückdrückt, mehrere Ablaufstellen gleichzeitig betroffen sind, die Verstopfung regelmäßig wiederkehrt oder ein tiefer liegendes Problem vermutet wird.

Im Rhein-Main-Gebiet gibt es dafür spezialisierte Fachunternehmen. So führt beispielsweise Strauss Rohrreinigung Rohr- und Kanalreinigungen sowie Kanalinspektionen durch. Gerade bei wiederkehrenden Problemen kann die Kombination aus Reinigung und technischer Untersuchung sinnvoll sein, weil dadurch nicht nur die unmittelbare Blockade, sondern auch deren mögliche Ursache betrachtet werden kann.

Für Bewohner, Eigentümer und Hausverwaltungen ist vor allem entscheidend, die passende Maßnahme zum tatsächlichen Problem zu wählen.

Frankfurts alte Häuser verdienen einen Blick hinter die Fassade

Gründerzeithäuser, Nachkriegsbauten und moderne Wohnquartiere gehören gleichermaßen zu Frankfurt. Diese Mischung macht einen Teil des Charakters der Stadt aus.

Die offiziellen Zahlen zeigen jedoch eindrucksvoll, wie groß der ältere Gebäudebestand tatsächlich ist. Mehr als zwei Drittel der Frankfurter Wohngebäude stammen aus der Zeit vor 1970. Das bedeutet nicht automatisch alte oder mangelhafte Rohrleitungen. Es macht aber deutlich, warum Instandhaltung und der Zustand der technischen Gebäudeausstattung bei älteren Immobilien nicht unterschätzt werden sollten.

Wer erste Warnzeichen erkennt und richtig einordnet, kann häufig früher reagieren. Ein gluckernder Abfluss ist nicht automatisch ein großer Schaden. Eine Verstopfung, die immer wieder an derselben Stelle auftritt, sollte dagegen Anlass sein, genauer hinzusehen.

Bei älteren Häusern lohnt sich deshalb gelegentlich der Blick dorthin, wo man beim Spaziergang durch Frankfurt normalerweise nicht hinsieht: unter Waschbecken, hinter Wände und – mit professioneller Technik – in die Abwasserleitungen.

Häufige Fragen zu Rohrverstopfungen in älteren Frankfurter Gebäuden

Sind alte Häuser häufiger von Rohrverstopfungen betroffen?

Nicht zwangsläufig. Das Baujahr allein entscheidet nicht über das Risiko. Zustand und Material der Leitungen, frühere Sanierungen, Nutzung, Ablagerungen und bauliche Veränderungen spielen ebenfalls eine wichtige Rolle. Bei älteren Gebäuden lohnt sich jedoch ein genauerer Blick auf die vorhandene Installation.

Was sind erste Anzeichen einer beginnenden Rohrverstopfung?

Typische Hinweise sind langsam ablaufendes Wasser, Gluckergeräusche, unangenehme Gerüche und wiederkehrende Ablaufprobleme. Sind mehrere Abflüsse gleichzeitig betroffen, kann die Ursache weiter im Leitungssystem liegen.

Was sollte nicht in Toilette oder Abfluss gelangen?

Fette, Speiseöle, Essensreste, Feuchttücher, Hygieneartikel, Katzenstreu und andere feste Abfälle sollten nicht über das Abwassersystem entsorgt werden.

Wann ist eine Kamerainspektion sinnvoll?

Eine Kanal- oder Rohrinspektion kann insbesondere bei wiederkehrenden Verstopfungen, unbekannter Schadensursache, älteren Leitungssystemen oder im Zusammenhang mit einer Immobilienprüfung sinnvoll sein.

Wer ist bei einer Rohrverstopfung in einer Mietwohnung zuständig?

Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Entscheidend sind unter anderem Ursache und Lage der Verstopfung sowie die mietrechtliche Situation. Mieter sollten bei einem nicht selbst lösbaren Problem zunächst Vermieter oder Hausverwaltung informieren, sofern kein akuter Notfall sofortiges Handeln erfordert.

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