Hausen – das Mühlendorf an der Nidda

Hausen - das Mühlendorf an der Nidda

Hausen ist einer der kleinen Frankfurter Stadtteile, kann aber auf eine sehr lange, etwas kuriose Geschichte zurückblicken. Das Dorf hat sich seinen ländlichen Charme bis heute bewahrt, ist aber den Bequemlichkeiten der Stadt gegenüber nicht abgeneigt. Die Bürger von Hausen sind stolz auf ihr schönes Dorf, in dem früher Mühlen für den Wohlstand sorgten. Sie können auch stolz sein, beispielsweise auf das Freibad, das als einziges und erstes Bad in Deutschland seine Pforten schon am 1. April für Besucher öffnet.

Hausen in Zahlen

Hausen liegt im Nordwesten von Frankfurt und grenzt an Ginnheim ebenso wie an Praunheim, an Bockenheim und im Südwesten an Rödelheim.

Einwohner: 7451
Fläche:1,2 Quadratkilometer
Stadtteil seit:1910
Gehört zum Ortsteil: Mitte-West

Das verkaufte Dorf

Das frühere Mühlendorf am linken Ufer der Nidda wird erstmals 1132 in einer Urkunde erwähnt. Damals heißt Hausen noch „Husun“ und der Einfluss Frankfurts spielte schon damals eine wichtige Rolle. Auch Hanau war an dem schmucken Dorf mit den Mühlen sehr interessiert und es gab immer mal wieder Streitigkeiten darüber, wem Hausen nun gehört. Der Ritter von Praunheim machte den Streitigkeiten dann ein Ende, in dem er kurzerhand das Dorf nebst seinen Einwohnern an Frankfurt verkaufte. Allerdings veräußerte er nur einen Teil der Dorfbewohner, einige gehörten bereits entweder den Grafen von Solms-Rödelheim oder dem Grafen von Hanau. Je nachdem, wo die Höfe der Hausener standen. 400 Jahre blieben die Dorfbewohner Leibeigene, 1910 kam dann die offizielle Eingemeindung nach Frankfurt. Dieser Schritt hat Hausen gutgetan, denn das einst so verschlafene ländliche Idyll entwickelte sich in rasanter Geschwindigkeit.

Warum in Hausen so gerne gebaut wird

Schon drei Jahre nach der Eingemeindung schloss Frankfurt Hausen an das städtische Straßenbahnnetz an. In den 1920er Jahren erfolgte dann die Regulierung der Nidda zwischen Eschersheim und Rödelheim. Auf diese Weise wurden die Überflutungen endlich gestoppt, die Hausen jahrhundertelang bedroht haben. Mitte der 1930er Jahre startete dann ein regelrechter Bauboom in Hausen, der bis heute anhält. Es entstanden Mustersiedlungen wie beispielsweise die Willi-Brundert-Siedlung und die Siedlung „In den Pflanzländern“, die bis heute knapp 7500 Menschen ein Zuhause bieten. Später kam dann die Siedlung Westhausen dazu, die aber schon zur Gemarkung Praunheim gehört, ebenso wie der beliebte Volkspark Niddatal. Ausgleichende Gerechtigkeit ist vielleicht, dass ein Teil des Parks, der für die Bundesgartenschau 1989 angelegt wurde, auf dem Gebiet von Hausen steht.

Ein großes kulturelles Angebot

Kultur ist in den vielen Stadtteilen von Frankfurt eher ein Fremdwort und beschränkt sich auf die Aktivitäten der zahlreichen Vereine. Im kleinen Hausen ist das jedoch anders, denn Hausen hat die Brotfabrik. Das Kulturzentrum haben die Bürger aus eigener Kraft organisiert und es befindet sich auf dem Gelände der früheren Fabrik. Das Kulturprojekt 21 hat dort eine Heimat gefunden, aber auch das Frankfurter Autoren-Theater. Es gibt außerdem eine Tanzschule und auch für das leibliche Wohl ist gesorgt. Viele, die sich für ein breit gefächertes Kulturangebot interessieren, kommen gerne nach Hausen. Die Besucher kommen aus Frankfurt und auch aus dem Taunus, um mongolischem Kehlkopfgesang zu lauschen, moderne Weltmusik zu hören oder den jungen Singer/Songwritern eine Bühne zu geben. Auf dem Programm stehen auch extravagante Events wie feministischer Hip-Hop aus Guatemala. Beliebt ist zudem das große Sommerfest, das in diesem Jahr am 12. August stattfindet.

Ein Paradies für Vögel

Hausen hat auch was die Natur angeht, einiges zu bieten. Im Hausener Auwald gibt es ein einzigartiges Vogelschutzgebiet, das 350 Meter lang und durchschnittlich 70 Meter breit ist. In diesem Areal hat nur die Natur das Sagen. Seit mehr als 70 Jahren hat es dort keinen Holzeinschlag mehr gegeben und seit 1980 hat niemand mehr das Totholz aus dem Auwald entfernt. Hier ist die Natur noch in ihrer ursprünglichen Form zu finden und das lockt viele sehr selten gewordene Vögel an. In diesem grünen Paradies fühlen sich die Stockenten wie auch die Baumläufer sehr wohl. Die Spechte bauen im Altarm der Nidda ihre Nester, Meisen und Kleiber sind dort schon seit Jahren gerne zu Hause. Nachweislich zieht dort sogar der Eisvogel seine Brut groß. Damit die Vögel ihre Ruhe haben, hat die Stadt das komplette Areal eingezäunt.

Ein architektonischer Leckerbissen

Hausen ist nicht eben arm an architektonischen Highlights, aber ein besonderer Leckerbissen ist die russisch-orthodoxe Kirche des Stadtteils. Die St. Nikolaus-Kirche steht am Ortseingang in Hausen und sie entstand 1967. Erst 1979 kam der Erzbischof und später Metropolit für die russisch-orthodoxe Kirche im Ausland nach Hausen, um die Kirche zu weihen. Die typische Architektur mit dem charakteristischen Zwiebelturm stammt aus dem 15. Jahrhundert. In diesem Pleskau-Stil sind viele orthodoxen Kirchen auch außerhalb Russlands gebaut worden. Die Innenausstattung, die den strengen Vorschriften der Kirche entspricht, ist im sogenannten Nowgorod-Stil gehalten. Zwischen 2005 und 2008 entstand passend zum Stil der schönen Kirche auch ein Gemeindezentrum.

Hausen und das Wasser

Hausen hat einen ganz besonderen Bezug zum Wasser. Das wird zum einen mit dem Wasserspielplatz an der „Hausener Terrasse“ deutlich und zum anderen mit dem Freibad in Hausen. Der Wasserspielplatz, der im Rahmen der Bundesgartenschau entstand, hat eine veraltete Technik und bekam 2013 einen neuen Standort am „Ginnheimer Wäldchen“. Zu den Attraktionen des Wasserspielplatzes gehören unter anderem Sprudel- und Sprühsteine, Wasserfälle und auch Geysire aus Natursteinen. Weit über die Grenzen von Hausen bekannt ist jedoch das Freibad des Stadtteils. Das Freibad stammt aus dem Jahr 1961 direkt an der Nidda. Am östlichen Ufer befindet sich ein beheiztes Becken für Schwimmer, ein Becken für Kinder und Nichtschwimmer sowie eine große Liegewiese. Als einziges Schwimmbad in Deutschland öffnet das Bad schon Anfang April und da die Becken und das Wasser beheizt sind, muss kein Besucher frieren.

Hausen ist ein bunter Stadtteil mit viel Lebensfreude und einem großen Kulturangebot für die Bewohner. Hausen hat sich zwar seinen dörflichen Charakter bewahrt, ist aber gleichzeitig mit der Zeit gegangen. Anders als andere Stadtteile lehnen die Bewohner von Hausen die Zugehörigkeit zu Frankfurt nicht ab, sie versuchen davon zu profitieren. Das gelingt beispielsweise durch die Teilnahme an der Bundesgartenschau, durch die gepflegten Wohnsiedlungen sowie das Freibad, das aufwendig restauriert wurde. Frankfurt hat die Kosten dafür übernommen und Hausen ist um eine Attraktion und viele neue Besucher reicher.

Beitragsbild: @ depositphotos.com / Lesniewski

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Ulrike Dietz

Ulrike Dietz

Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen.
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