Kunsthalle Schirn

Kunsthalle Schirn

Die Schirn Kunsthalle ist eine Ausstellungshalle in Frankfurt in der Altstadt zwischen Römer und Frankfurter Dom. Die Schirn zeigt sowohl moderne als auch zeitgenössische Kunst. Sie ist der Hauptort für temporäre Kunstausstellungen in Frankfurt. In den letzten Jahren wurden unter anderem Retrospektiven von Wassily Kandinsky, Marc Chagall, Frida Kahlo, Alberto Giacometti, Bill Viola und Yves Klein gezeigt.


Die Kunsthalle wurde 1986 eröffnet und wird sowohl von der Stadt als auch vom Land Hessen finanziell unterstützt. Historisch gesehen bezeichnet der Begriff „Schirn“ einen Freiluftstand für den Verkauf von Waren, wie er in Frankfurt bis ins 19. Jahrhundert vielerorts anzutreffen war.

Das Areal, auf dem sich die Schirn befindet, wurde 1944 im Zweiten Weltkrieg durch einen Luftangriff zerstört und erst mit dem Bau der Kunsthalle grundlegend saniert. Als Ausstellungsort genießt die Schirn nationale und internationale Bekanntheit, die sie durch eigenständige Produktionen, Publikationen und Ausstellungskooperationen mit Museen wie dem Centre Pompidou, der Tate Gallery, dem Solomon R. Guggenheim Museum, dem Hermitage Museum oder dem Museum of Modern Art erlangt hat.

Geschichte und Architektur

Die Kunsthalle Schirn wurde ab 1983 vom Architekturbüro BJSS (Dietrich Bangert, Bernd Jansen, Stefan Jan Scholz und Axel Schultes) entworfen und gebaut. Die Eröffnung fand am 28. Februar 1986 statt. Die Kunsthalle verfügt über eine Ausstellungsfläche von mehr als 1.400 Quadratmetern.

Das Gelände liegt in der Frankfurter Altstadt, unweit des bekannten Römerbergs. Mit hellem Sandstein verkleidet, besteht die Schirn aus mehreren ineinandergreifenden Strukturen, die jeweils einen geometrischen Grundriss aufweisen. Das markanteste Bauelement ist eine rund 140 Meter lange und 10 Meter breite, sechsgeschossige Halle – das eigentliche Ausstellungsgebäude, welches von Ost nach West verläuft. Bangert entwarf das Langhaus nach dem Vorbild der Uffizien in Florenz.

Etwas westlich der Mitte dieses Langhauses sind weitere Bauelemente entlang einer imaginären Querachse angeordnet: Nach Süden, zur Saalgasse hin, ein mehrgeschossiger Kubus mit rechteckigem Grundriss (ca. 18 x 25 m), an den sich parallel zum Langhaus eine längliche rechteckige Erweiterung anschließt. Auf der Nordseite der Hauptachse folgt das zweitwichtigste Bauelement neben dem Hauptausstellungsgebäude – die rund zwanzig Meter hohe, himmelgewölbte Rotunde, die den monumentalen Haupteingang bildet. Es ist das höchste Bauwerk der Schirn und besteht aus einem einzigen offenen Raum, durch den man in die Schirn eintritt.

Nach der Durchfahrt durch die Rotunde verläuft eine in das Gebäude eingeschnittene Schlucht entlang der alten Bendergasse. Ein weiteres halbkreisförmiges Strukturelement folgt nach Norden, jenseits der Bendergasse, die mit etwas mehr als zweifachem Radius den gleichen Kreismittelpunkt wie die Rotunde aufweist. In diesem Gebäude, das durch die Bendergasse vom Hauptausstellungsgebäude getrennt ist, befindet sich das Schirn Café. In das östliche Ende dieses Baukörpers wurde eine rechteckige Öffnung integriert, in der ursprünglich ein etwa dreigeschossiger, überdimensionaler Tisch auf der Straßenebene stand, der im Rahmen des Dom-Römer-Projekts, dem Wiederaufbau der Frankfurter Altstadt, im August 2012 abgerissen wurde.

Seit 2012 hat die Schirn ein neues Interieur, das vom Architekturbüro Kuehn Malvezzi entworfen wurde. Sie taucht das Foyer mit Hilfe moderner RGB-Lichttechnik in wechselnde Lichtfarben.

Der Name Schirn leitet sich aus der Geschichte des Standortes ab. Das Wort bezeichnete ursprünglich einen offenen Verkaufsstand. Der Standort der Schirn Kunsthalle war bis zur Zerstörung am 22. März 1944 die dicht besiedelte Altstadt Frankfurts. In den engen Gassen zwischen der heutigen Schirn und dem Main standen bis Mitte des 19. Jahrhunderts die Verkaufsstände der Metzgerinnung der Stadt.

Christoph Vitali war von 1985 bis 1993 Direktor der Schirn und in dieser Zeit Geschäftsführer der Kulturgesellschaft Frankfurt mbH. Er etablierte die Schirn als Ausstellungsort. Sein Nachfolger war Hellmut Seemann. Der Österreicher Max Hollein leitet die Schirn seit Oktober 2001. Im Jahr 2006 übernahm er auch die Leitung des Städel Museums und des Liebieghauses. Mit außergewöhnlichen Ausstellungen, provokanten Titeln und verbesserten finanziellen Mitteln hat er die Zahl der Besucher der Schirn verdreifacht.

Ausstellungen in der Schirn

Mehr als 200 Ausstellungen wurden in der Schirn seit ihrer Eröffnung präsentiert, darunter große Überblicksausstellungen zum Beispiel zum Wiener Jugendstil, Expressionismus, Dada und Surrealismus, zum Esprit Montmartre, zu Expressionistinnen, zum Deutschen Pop, zur Geschichte der Fotografie oder zu Themen wie Shopping, Kunst und Konsum. Auch zur bildenden Kunst der Stalinzeit, zu den Nazarenern oder zur neuen Romantik der zeitgenössischen Kunst zeigte die Schirn eigene Ausstellungen. Hinzu kamen (und kommen) zahlreiche monothematische Ausstellungen zu Künstlern wie Wassily Kandinsky, Alberto Giacometti, Henri Matisse, Julian Schnabel, James Ensor, James Lee Byars, Yves Klein, Peter Doig, Lászlo Moholy-Nagy, Georges Seurat, Jeff Koons, Edvard Munch, Théodore Géricault und Helene Schjerfbeck.

Zeitgenössische Künstler wie Thomas Hirschhorn, Ayşe Erkmen, Carsten Nicolai, Jan De Cock, Jonathan Meese, John Bock, Michael Sailstorfer, Terence Koh, Aleksandra Mir, Eberhard Havekost, Mike Bouchet, Yoko Ono oder Tobias Rehberger wurden in Einzelausstellungen präsentiert. Bis heute haben mehr als fünf Millionen Menschen die Schirn besucht.

Einige der Ausstellungen mit den meisten Besuchern in der Geschichte der Schirn sind:

  • Wassily Kandinsky – Die erste sowjetische Retrospektive (1989)
  • Henri Matisse – Zeichnung mit Schere (2003)
  • Women Impressionists – Berthe Morisot, Mary Cassatt, Eva Gonzalès, Marie Bracquemond (2008)
  • Edvard Munch – Das moderne Auge (2012)
  • Esprit Montmartre – Bohemian Life in Paris um 1900 (2014)

Kunstraub in der Schirn

Drei berühmte Gemälde wurden 1994 aus der Kunsthalle Schirn in Frankfurt gestohlen. Dieser Fall des Kunstdiebstahls ist insofern einzigartig, als dass die Bilder durch den Rückkauf von den Dieben wiedergefunden wurden; die für den Diebstahl verantwortlichen Personen wurden indes nie vor Gericht gestellt.

Der Diebstahl fand am 28. Juli 1994 in der Kunsthalle Schirn in Frankfurt statt. Die Diebe hatten sich nachts selbst in das Museum gesperrt und dann einen Wachmann überwältigt. Die gestohlenen Gemälde waren „Licht und Farbe und Schatten und Dunkelheit“, eine Sequenz von J. M. W. Turner und Leihgabe der Tate Gallery in London, und „Nebelschwaden“ von Caspar David Friedrich, Leihgabe der Kunsthalle Hamburg.

Zwei der Diebe und ein Händler wurden schnell festgenommen, aber sie weigerten sich, den Ort der Gemälde und die Identität der Leute zu nennen, die den Diebstahl angeordnet hatten. Im Jahr 1999 erhielten sie Haftstrafen von bis zu 11 Jahren. Die Polizei konnte die Bilder zunächst nicht wiederbeschaffen. Die Versicherungsunternehmen bezahlten den Eigentümern der Gemälde etwa 40 Millionen Euro.

Beitragsbild: @ depositphotos.com / sepavone

Diorama – Erfindung einer Illusion: Kat. Schirn Kunsthalle Frankfurt *
  • Carl Akeley, Louis Daguerre, Noémie Étienne, Alison Griffiths, Donna Haraway, Joanne Hatton, Anastasia Krisanovska, Britta Lange, Petra Lange-Berndt, Guillaume Le Gall, Pat Morris, Stephen Christopher Quinn, Georges Henri Rivière, Dominique Serena-Allier, Vanessa Schwarz, Karen Wonders
  • Herausgeber: Snoeck
  • Taschenbuch: 352 Seiten
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Autor(in) Markus Wilde

Der Autor arbeitet seit mehr als zehn Jahren als Web- & Werbetexter und lebt von Geburt an in und um Frankfurt am Main.

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