Streit um den Riederwaldtunnel nimmt kein Ende

Streit um den Riederwaldtunnel nimmt kein Ende

Alle, die öfter auf der Autobahn von Bad Homburg nach Offenbach fahren, haben sich an den Anblick schon gewöhnt: Hinter der Talbrücke Seckbach ist auf der rechten Seite eine riesengroße Baustelle, auf der offenbar nichts vorangeht. Dabei handelt es sich um den geplanten Bau des Riederwaldtunnels, um den seit mehr als drei Jahrzehnten erbittert gestritten wird. Jetzt scheint wieder etwas Bewegung in die kontroverse Diskussion zu kommen, denn Gegner und Befürworter suchen nach einer gemeinsamen Lösung.

Eine Entlastung für die Bürger?

Es sind die Anwohner, die am meisten unter dem jahrelangen Streit um den Riederwaldtunnel gelitten haben. Ohne den Tunnel, so die Befürworter, rauschen jeden Tag mehr als 24.000 Fahrzeuge durch die Straße „Am Erlenbruch“ in Riederwald. Mit dem Tunnel sinkt die Zahl der Autos um etwa 65 Prozent auf nur noch 8400 pro Tag. Die Kritiker des Tunnels haben bei dieser Rechnung allerdings ihre Zweifel. Sie befürchten, dass noch mehr Fahrzeuge diese Strecke fahren, wenn der Tunnel fertig ist. Die Verkehrsbelastung nimmt damit noch weiter zu. Belegen lässt sich diese These nicht, es ist lediglich eine Vermutung und genau das bringt die Befürworter des Tunnelprojekts auf die Barrikaden.

Das will die Bürgervereinigung Nordend

Kommt es zu einem Anschluss der Autobahnen A 66 und A 661, gibt es einen neuen Verkehrsknotenpunkt und das mitten in einem Wohngebiet. Die Wohnhäuser, die Kindergärten, die Krankenhäuser, die Schulen, Sportplätze und Seniorenheime müssen dann einmal mehr unter der Schadstoff- und Lärmbelastung leiden. Diese Ansicht vertritt zumindest die Bürgervereinigung Nordend. Dieser Ansicht sind auch besorgte Bürger, einige Schulen und Seniorenheime, die gegen den Bau des Riederwaldtunnels Einspruch eingelegt haben.

Es geht nicht voran

Der Streit dauert inzwischen 30 Jahre und dort, wo eigentlich das Verkehrsdreieck entstehen soll, geht es überhaupt nicht oder nur sehr schleppend voran. Schon lange hat sich die Natur den Norden des Areals zurückerobert und eine Einfahrt zur Baustelle wurde mit Sand zugeschüttet. Auf der Autobahn A 661 gilt eine Höchstgeschwindigkeit von nur noch 60 Kilometer pro Stunde und die Bauarbeiter auf der Baustelle arbeiten nicht wirklich, sie sind vielmehr mit Vorbereitungen beschäftigt. In den vergangenen Jahren mussten die Verantwortlichen die Pläne immer wieder anpassen, überarbeiten und auslegen. War das geschehen, gab es wieder neue Einwände, neue Vorschläge, neue Pläne und das Ganze begann von vorn. Jetzt gibt es neue Pläne, die der Industrie- und Handelskammer in Frankfurt vorliegen. Angeblich sollen diese Pläne den Bau des Tunnels vorantreiben.

Die ersten Pläne für den Riederwaldtunnel gehen auf das Jahr 1985 zurück. Schon damals stand fest, dass die Bürger „Am Erlenbruch“ vor Verkehrslärm und einer zu hohen Schadstoffbelastung geschützt werden müssen. Es dauerte aber bis 2007, bevor das zuständige Ministerium einen notwendigen Planfeststellungsbeschluss auf den Weg brachte. Immerhin ging es um eine Summe von 320 Millionen Euro. So gab es immer wieder Streit um die Länge des Tunnels, der ursprünglich 670 Meter lang sein sollte. Aus Gründen des Immissionsschutzes verlängerte sich der Tunnel schließlich auf 1100 Meter. Gegen den Beschluss gab es aber mehr als nur eine Klage. Das zeigt, wie verfahren der Bau des Tunnels mittlerweile ist.

Beitragsbild: @ depositphotos.com / marcellusw

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Autor(in) Ulrike Dietz

Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen.