Warum der Nizza-Park einen Zaun bekommt

Warum der Nizza-Park einen Zaun bekommt

Wie Frankreich, so hat auch Frankfurt ein eigenes Nizza. Das Frankfurter Nizza ist allerdings keine Stadt, sondern ein schöner Park, der idyllisch am Ufer des Mains liegt und zum Spazieren gehen einlädt. Am Tag bestaunen die Besucher die vielen exotischen Pflanzen, bei Nacht hingegen hat der Park ungebetene Gäste, die auf dem Gelände jede Menge Müll und menschliche Ausscheidungen hinterlassen. Jetzt reagiert die Stadt Frankfurt und zäunt das Gelände des Nizza-Parks ein.

Vor der Zerstörung bewahren

Seit mehr als 150 Jahren ist der Nizza-Park eine Frankfurter Institution. Am nördlichen Mainufer gelegen, ist der vier Hektar große botanische Garten ein beliebtes Ziel zum Flanieren. Um den Park auch weiter erhalten zu können, gibt es jetzt einen Zaun, denn sonst, so die Stadt, ist es nicht mehr möglich, die Einzigartigkeit des Parks zu erhalten. Das Grünflächenamt sieht mit großer Sorge, dass immer mehr Menschen den Nizza-Park als Schlafstätte nutzen. Sie hinterlassen Abfall und verrichten dort ihre Notdurft, was vielen Pflanzen arg zusetzt. Im Moment schützt nur ein Bauzaun den kleinen Park, aber dieses Provisorium soll schon bald ein fester Zaun ersetzen.

Einen Anspruch gibt es nicht

Das Frankfurter Sozialdezernat geht davon aus, dass es sich bei den nächtlichen Besuchern des Nizza-Parks um Menschen aus Osteuropa handelt, die sozialversicherungspflichtig nicht erfasst sind. Sie gehen keiner Arbeit nach und haben damit auch keinen Anspruch auf Zuwendungen des Sozialamts oder auf eine Unterkunft. Aber das hält die Menschen nicht ab, trotzdem nach Deutschland zu kommen. Sie nehmen die ärmlichen Zustände, unter den sie in Deutschland leben, offensichtlich gerne in Kauf, weil es in ihren Heimatländern noch schlimmer ist. Im Moment sind es knapp 160 Osteuropäer, die auf den Straßen und in den Parks der Stadt „leben“. Rund 20 sind es im Nizza-Park. Die Stadt Frankfurt toleriert diese Situation solange die städtischen Anlagen nicht leiden, aber das ist jetzt im Nizza-Park der Fall.

Nur noch am Tag geöffnet

Die Stadt hat sich den Bethmannpark zum Beispiel genommen und schließt jetzt auch den Nizza-Park mit Einbruch der Dunkelheit. Mit dieser Maßnahme, so hofft das Grünflächenamt, lässt sich die momentan unhaltbare Situation zugunsten des Parks lösen. Die Stadt bewegt sich dabei auf rechtlich einwandfreiem Boden. Zwar ist es nicht grundsätzlich verboten, im Freien zu schlafen, muss dazu jedoch ein Zaun überwunden werden, dann handelt es sich um Hausfriedensbruch. Der Auftrag für den Zaun soll noch in diesem Jahr zur Ausschreibung kommen, die Kosten belaufen sich nach ersten Kalkulationen auf rund 140.000 Euro.

Neu ist die Idee nicht, den Nizza-Park einzuzäunen. Schon vor einigen Jahren wollte die Stadt verhindern, dass sich in der Nacht Menschen im Park aufhalten. Realisiert hat die Stadt Frankfurt diese Pläne jedoch nicht, wahrscheinlich, weil die Gefahr für die Pflanzen im Park nicht so groß war. Das sieht heute anders aus. Da immer mehr Menschen in die Großstadt Frankfurt kommen, die dort keine Unterkunft haben, wird das Problem auch im Nizza-Park stetig größer. Der neue Zaun, der sich übrigens optisch an den Park anpasst, soll die Menschen davon abhalten, dort ihre Nächte zu verbringen. Wie effektiv das Ganze ist, muss sich allerdings erst noch zeigen.

Beitragsbild: @ depositphotos.com / Anastasios71

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Autor(in) Ulrike Dietz

Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen.