Streit um neues Wohnquartier am Güterplatz

Streit um neues Wohnquartier am Güterplatz

Wohnungen sind rar, vor allem wenn es um bezahlbaren Wohnraum geht, haben große Städte wie Frankfurt große Probleme. Da klingt es hoffnungsvoll, dass am Güterplatz auf dem früheren Telenorma-Areal 522 neue Wohnungen entstehen. Die Freude ist jedoch etwas verfrüht, denn nur ein sehr kleiner Teil der neuen Wohnanlage bietet günstige Mieten, der große Rest liegt bei mehr als 10.000 Euro für einen Quadratmeter.

Ein echtes Armutszeugnis

Überall in Frankfurt entstehen neue Wohnungen. 4722 waren es im Jahr 2017, öffentlich gefördert wurden jedoch nur 221 Wohnungen. Das ist ein Armutszeugnis, meint die Linke im Stadtrat und die Stadt braucht viel mehr bezahlbaren Wohnraum. Da kommt das frühere Telenorma-Areal am Güterplatz gerade recht, denn dort gab es bereits den ersten Spatenstich für ein neues, großes Bauprojekt. Allerdings sind es nur magere 27 der geplanten 522 Wohnungen, die die öffentliche Hand fördert, um so günstige Mieten garantieren zu können. Normalerweise ist ein Anteil von 30 Prozent vorgeschrieben, wenn es um günstige Wohnungen in neuen Wohnprojekten geht, am Güterplatz sind es aber gerade einmal fünf Prozent.

Edel und teuer

Bis zum Jahr 2021 sollen für 330 Millionen Euro am Güterplatz Wohnungen, Tiefgaragen, Büroräume, ein Hotel, ein Supermarkt und eine Kita entstehen. Die ABG finanziert 259 Wohnungen mit insgesamt 82 Millionen Euro. Das neue Wohnhaus ist eine Randbebauung mit sieben Etagen. 232 dieser Wohnungen sind frei finanziert und hier liegt die Miete bei 12,50 Euro für den Quadratmeter. Edel und richtig teuer wird allerdings der Wohnturm „Eden“ mit einer Höhe von 98 Metern und 262 Eigentumswohnungen. Hier kostet der Quadratmeter im Schnitt 10.000 Euro. Aus städtebaulichen Gesichtspunkten sind solch horrende Preise auf jeden Fall vertretbar, so ein Sprecher des Bauherren. Die hohen Baukosten von 5500 Euro für den Quadratmeter rechtfertigen den Kaufpreis. Offensichtlich ist der Preis jedoch keine Hürde, denn 90 Prozent der Wohnungen sind bereits reserviert.

Die U-Bahn macht es schwierig

Neben dem Hochhaus „Eden“ gibt es am Güterplatz mit „The Spin“ noch einen zweiten Wohnturm. Wie genau dieser 128 Meter hohe Turm aussehen soll, steht noch nicht fest. Fest steht immerhin, dass ein Vier-Sterne-Hotel mit 428 Zimmern auf den 21 Etagen einziehen soll. Das Bauvorhaben erwies sich als schwierig, denn in der Nähe verläuft die U-Bahn ins Europaviertel. Die Bauherren hätten eigentlich einen 60 Meter breiten Seitenstreifen beachten müssen, aber dann wäre das Bauvorhaben geplatzt. Die Bauherren haben sich jetzt mit der Stadtbahn-Baugesellschaft auf ein gemeinsames Vorgehen geeinigt. Bis 2021 sollen die Gebäude stehen, was allerdings nur gelingen kann, wenn regelmäßig bis zu 1000 Arbeiter auf der Baustellen tätig sind.

Ob Frankfurt ein solches Wohnprojekt tatsächlich braucht, darüber streitet sich der Stadtrat. Da jedoch der erste Schritt bereits getan ist, kann das Wohnprojekt am Güterplatz wohl niemand mehr aufhalten. Die Stadt Frankfurt ist froh, da das ehemalige Telenorma-Areal lange Zeit als unbebaubar galt, rund 25 Jahre lag das Gelände brach. Es gab zwar immer mal wieder Pläne für ein Bürogebäude, ein zahlungskräftiger Investor wurde allerdings nicht gefunden. Mit einem kräftigen Rabatt auf den Kaufpreis erwarb schließlich die städtische Wohnungsbaugesellschaft ABG Frankfurt Holding das Grundstück, zusammen mit zwei Partnern.

Beitragsbild: @ depositphotos.com / dpconst

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Autor(in) Ulrike Dietz

Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen.