Im Clinch mit allen, Kommentar zur Türkei von Julia Wacket

Frankfurt (ots) – Mittlerweile wird es für Recep Tayyip Erdogan ein Kampf an zu vielen Fronten. Selbst der türkische Alleinherrscher kann sich nicht gleichzeitig gegen Märkte, Ratingagenturen und Bündnispartner stellen, wie die jüngste Lira-Krise beweist. Nachdem die Währung zum Dollar und Euro auf neue Rekordtiefstände gefallen war, sah sich das Finanzministerium gezwungen, die Märkte zu beruhigen. Am Freitag soll ein „neues ökonomisches Modell“ vorgestellt werden, das eine Begrenzung des Haushaltdefizits, der Inflation sowie ein ausgewogeneres Wachstumsmodell vorsieht. Wirklich glaubwürdig schien Investoren die Ankündigung der Regierung nicht. Kein Wunder, nach der Realitätsverweigerung der letzten Wochen – die Notenbank hatte die Zinsen trotz hoher Inflation nicht angehoben, Erdogan machte seinen Schwiegersohn zum Finanzminister.

Bitter nötig sind die neuen Wirtschaftspläne aber allemal. Der Verfall der Heimatwährung droht die Probleme von 15 Prozent Inflation, einem Leistungsbilanzdefizit von 6 Prozent des BIP und 240 Mrd. Dollar Unternehmensverschuldung im Land nur noch zu verschärfen. Viele Unternehmen können bereits jetzt wegen der schwachen Lira ihre Fremdwährungskredite nicht mehr bedienen – die wichtigen Dollar-Reserven schwinden. Mehrere ausländische Gläubiger ziehen ihr Kapital ab, dabei ist das Land von den Zuflüssen abhängig, um das hohe Leistungsbilanzdefizit zu finanzieren.

Was also muss geschehen, damit die Türkei nicht in eine Rezession rutscht? Erster Akteur ist die Notenbank. Sie muss noch vor der nächsten regulären Sitzung am 13. September eine baldige Zinserhöhung in Aussicht stellen. Nur so kann sie ihre Unabhängigkeit wahren. Zweiter Akteur ist Finanzminister Berat Albayrak. Er muss endlich konkrete Reformvorschläge liefern, die das Wachstum weniger abhängig von Konsum und Infrastrukturausgaben machen. Die Ankündigung, das Haushaltsdefizit begrenzen zu wollen, sind bereits ein guter erster Schritt. Auch muss er seinen Schwiegervater davon überzeugen, dass höhere Zinsen kein Übel, sondern die richtige Medizin gegen hohe Inflation sind. Dritter Akteur ist Erdogan selbst. Er muss den US-Pastor Andrew Brunson endlich freilassen, statt die Krise mit den USA in einen offenen Konflikt ausufern zu lassen. US-Präsident Donald Trump lenkt bei dem Kräftemessen nicht ein, das sieht man jüngst am Beispiel Chinas. Und Erdogan ist abhängig von den externen Finanzmitteln. Eine Rezession wie im Jahr 2001 will er unbedingt vermeiden. Diese hatte ihm 2003 zur Macht verholfen – eine Neuauflage könnte ihn jetzt die Macht kosten.

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