Autopilot auf Crashkurs

Frankfurt (ots) – Die US-Regierung hat auch die letzten Hoffnungen zunichtegemacht, dass sie im Konflikt mit China auf einen ausgewachsenen Handelskrieg zwischen den größten Volkswirtschaften der Welt verzichten möchte. Kaum fünf Tage nach der Einführung von Importzöllen auf Produkte aus China mit einem Handelsvolumen von 34 Mrd. Dollar hat Washington wie angedroht eine Produktliste für Zölle auf Importe aus der Volksrepublik in Höhe von 200 Mrd. Dollar nachgelegt. Sie sollen Ende August in Kraft treten, sofern Peking bis dahin keine weitreichenden Zugeständnisse macht. Für den Fall, dass die Zentralregierung dagegen mit Vergeltungsmaßnahmen reagiert, hat US-Präsident Donald Trump eine neuerliche Eskalation mit Zöllen auf die gesamten US-Importe aus China in der Größenordnung von gut 500 Mrd. Dollar angekündigt.

An den Finanzmärkten sorgte auch die jüngste Zuspitzung in der Auseinandersetzung wieder für Irritationen. Aktien standen in Frankfurt, Hongkong und Schanghai ebenso unter Druck wie in New York, wo der S & P  500 in freudiger Erwartung der bevorstehenden Berichtssaison in den vergangenen Tagen eine Serie mit Tagesgewinnen hingelegt hatte. Der Dollar legte zu und machte nicht nur Importware aus China für US-Verbraucher attraktiver. Schwellenländer- und Rohstoffwerte, die unter den Kollateralschäden des schwelenden Handelskonfliktes schon in den vergangenen Monaten weit oben rangiert haben, standen unter Druck.

Ob wir uns noch kurz vor oder schon mitten in einem Handelskrieg befinden, ist nur noch von akademischem Interesse. Beide Parteien sind auf ihrem Konfrontationskurs vor allem darum bemüht, dem Kontrahenten glaubhaft zu vermitteln, dass sie ihre Richtung nicht als Erste ändern werden. In der Einführung zur Spieltheorie wird dieses Szenario als „Chicken Game“ bezeichnet, nur dass im vorliegenden Fall beide Parteien den Autopilot auf Crashkurs programmiert haben. Man muss kein Spieltheorie-Crack sein, um sich das Ende auszumalen.

Sieben Wochen haben die USA und China Zeit, zu einem Kompromiss zu finden. Derzeit herrscht allerdings Funkstille, und es ist unklar, wie eine Einigung aussehen könnte. Die Krawall-Rhetorik des US-Präsidenten, mit der sich in dieser Woche auch die Nato auseinandersetzen muss, ist auf dem Weg zu einer Verständigung nicht hilfreich. Sein unentwegtes Säbelrasseln stellt sicher, dass sich ein Einlenken wie eine Niederlage anfühlen wird, die sich keiner der Kontrahenten leisten will

(Börsen-Zeitung, 12.07.2018)

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