Unbekömmlicher Cocktail

Frankfurt (ots) – Politische Börsen haben kurze Beine, so eine viel zitierte „Börsenweisheit“, die den Marktteilnehmern in Zeiten von der Politik ausgelöster Turbulenzen Trost spendet. Derzeit sind es aber wohl der Beine zu viel, die den Märkten in den Weg gestellt werden. Die Übernahme der Regierung in Italien durch ein Bündnis europaskeptischer Populisten, deren wirtschaftspolitische Vorstellungen im besten Fall abenteuerlich genannt werden können, hat in der abgelaufenen Woche neuerliche Sorgen über eine Euro-Krise, wenn nicht gar den Zerfall der Währungsunion hervorgerufen. Nicht genug damit, hat der von nicht weniger abenteuerlichen Vorstellungen getriebene US-Präsident Donald Trump die Welt dem von vielen befürchteten Handelskrieg ein gutes Stück näher gebracht. Seit dem Freitag gelten Strafzölle von happigen 25 % auf Stahl- und Aluminiumimporte aus der EU sowie den Nafta-Partnern der Vereinigten Staaten, Mexiko und Kanada, und die „Opfer“ haben bereits Gegenmaßnahmen angekündigt. Zu allem Überfluss kam es dann auch noch zum Regierungswechsel in Madrid. Mit so vielen politischen Beinen im Weg musste der Dax einfach ins Stolpern geraten und von der zuvor so mühsam erklommenen Marke von wieder 13000 Zählern ablassen. Es kann auch nicht verwundern, dass die Marktteilnehmer auf Nummer sicher gegangen sind. Schließlich hat ihnen die Politik einen äußerst unbekömmlichen Cocktail gemixt. Es droht nun eine unter Umständen längere Phase, in der der Handelskonflikt und wahrscheinlich in weit stärkerem Maße das Politchaos in Italien für Irritationen und Schwächeanfällen am Aktienmarkt sorgen könnten, ein Umfeld, in dem sich die Anleger wahrscheinlich zumindest zurückhalten bzw. auf günstigere Gelegenheiten warten. Auch wenn die italienischen Staatsanleiherenditen wieder etwas gesunken sind, besteht kein Anlass zur Entwarnung, urteilte die Commerzbank am Freitag. „Denn die neue Regierung dürfte auf Konfrontationskurs zur EU gehen, wodurch der EZB erst einmal die Hände gebunden sind. Die Krise könnte wieder hochkochen.“ Allerdings rechnet die Bank damit, dass es nicht zum Äußersten kommen wird. „Italien dürfte es wie Griechenland vor drei Jahren letztlich nicht wagen, die Währungsunion zu verlassen und dadurch ins wirtschaftliche Chaos zu stürzen.“ Überdies gehen von den Turbulenzen der abgelaufenen Woche Auswirkungen aus, die für den Aktienmarkt letztlich stützend wirken. So sind der Renditeanstieg an den Staatsanleihemärkten und auch die Zinssteigerungserwartungen gedämmt worden. Beispielsweise hat die Helaba zuletzt ihre Prognosen für den Dreimonats-Euribor und die laufende Verzinsung zehnjähriger Bundesanleihen im vierten Quartal 2018 von 0,55% auf 0,30% und von 1% auf 0,80% gesenkt. Ferner ist die Gemeinschaftswährung unter Druck geraten, was der Ergebnisentwicklung der Dax-Unternehmen zugutekommt. Nicht zuletzt stimmen nach wie vor die fundamentalen Rahmenbedingungen. Die Unternehmensgewinne steigen. Dies und der „Mix aus niedriger Inflation und Zinsen“ veranlassten die DZ Bank in der abgelaufenen Woche, ihren Optimismus für den Aktienmarkt zu bekräftigen und eine erstmalige Dax-Prognose per Mitte 2019 von 14 200 Zählern zu veröffentlichen. Das würde beim aktuellen Stand einen Anstieg des deutschen Blue-Chip-Index in den kommenden zwölf Monaten von 11,6% bedeuten. Allerdings liegt dieser Prognose das Basisszenario der Bank: „Italien löst keine EWU-Schuldenkrise 2.0 aus“ zugrunde. Neben der Abwendung einer weiteren Eskalation im Handelskonflikt hängen Wohl und Wehe des Aktienmarktes in den kommenden Monaten entscheidend davon ab, dass die erschreckenden Renditesprünge vor allem am kurzen Laufzeitenende der italienischen Zinskurve bei der neuen Regierung des Landes Realismus und Vernunft einziehen lassen.

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